Okt 312017
 
01 Bergfink

Fotos: Willi Benz – Bergfink

02 Rotdrossel

Rotdrossel

03 Rotmilan

Rotmilan

04 Enten- und Gänsetrubel

Enten- und Gänsetrubel

05 Hausgans u. Graugänse

Hausgans u. Graugänse

06 Streifengans u. Graugänse

Streifengans u. Graugänse

07 Nilgansnachwuchs

Nilgansnachwuchs

08 Stieglitz

Stieglitz

09 Ringeltaubenwolke

Ringeltaubenwolke

10 Star - Vogel des Jahres 2018

Star – Vogel des Jahres 2018

11 Kolkrabe an Dachskadaver

Kolkrabe an Dachskadaver

12 Junghabicht

Junghabicht

13 Silberreiher

Silberreiher

14 Silberreiherschlafplatz

Silberreiherschlafplatz

15 Kranichketten

Kranichketten

16 Kranichzug

Kranichzug

Gleich am ersten Oktobertag trafen sich Vogelbeobachter zum herbstlichen Bird Watching in der Landbachaue. Ziehende Vögel waren an diesem Tage eher spärlich, aber in der Summe konnten an diesem Nachmittag immerhin 36 Vogelarten beobachtet und auf naturgucker.de dokumentiert werden.

In den folgenden Oktobertagen setzte dann der erwartete herbstliche Vogelzug verstärkt ein. Vor allem hunderte Buchfinken, darunter auch einige Bergfinken, viele Feldlerchen, Bach- und Schafstelzen, Pieper, Sing- und Rotdrosseln waren auf ihrem Zug zu sichten, vereinzelt auch noch kleinere Trupps ziehender Rotmilane.

Auffällig ab der ersten Oktoberwoche war der Zuwachs bei den Stockenten auf den Wasserflächen der Aue. Diese bisher so häufige Entenart musste aktuell auf die Vorwarnliste der gefährdeten Arten aufgenommen werden und war den Sommer über mit maximal 70 Vögeln in der Landbachaue vertreten. Der diesjährige Bruterfolg der hiesigen Stockenten war erschreckend gering, lediglich drei Paare führten Junge – viel zu wenig für die Erhaltung des Bestandes. Ab Anfang Oktober ergaben die Zählungen bis zu 250 Stockenten, nach Meinung von Ornithologen in Überzahl zugeflogene Gäste aus ihren Brutgebieten in Osteuropa bis Sibirien, die nach dem Winter wieder in ihre Brutgebiete zurück kehren. Nach der neuen Hessischen Jagdverordnung soll die Jagd auf Stockenten (Jagdzeit 1. September bis 15. Januar) „nur in Gebieten mit ausreichenden Besätzen“ erfolgen. Die aktuellen Zahlen in der Landbachaue könnten nun einen ausreichenden Stockentenbestand vorgaukeln und eine Bejagung zulassen, das wäre aber letztendlich nichts anderes als die in Deutschland (sehr zu Recht!) angeprangerte Jagd auf Zugvögel im Mittelmeerraum.

Auch in die Gänsepopulation der Landbachaue kam im Oktober Bewegung. Zeitweise waren, verstärkt durch Zuwanderung, um die 200 Graugänse auf den Wasserflächen und den umliegenden Feldern zu sichten. Für ein paar Tage war zwischen den Graugänsen  eine reinweiße Hausgans und auch eine kleine Streifengans zu sehen. Die Streifengans, auch Indische Gans genannt, war am rechten Bein beringt, also ein Hinweis, dass sie wohl aus einem Tierpark ausgebüxt war und sich den frei lebenden Graugänsen angschlossen hat. Nach ihrem Verhalten war diese kleine Exotin männlichen Geschlechts und fest mit einer merklich größeren Graugans verpaart. Sehr späten Nachwuchs hatte ein Nilganspaar, das Mitte Oktober stolz seine sieben frisch geschlüpfte Gänseküken ausführte.

Im Oktober nicht zu übersehen waren in der Landbachaue die großen Schwärme der Stieglitze, der Ringeltauben (bis über 1.000 Vögel in einem Schwarm) und vor allem der Stare, von denen mehrere tausend Vögel bei Dämmerungsbeginn ihre Schlafplätze im Schilf des östlichen Teils der Aue aufsuchten. Der Star – frisch gekürter NABU-Vogel des Jahres 2018 – gilt zwar noch als häufige Art, zeigt aber seit kurzer Zeit einen erheblichen Bestandsrückgang und ist dadurch auf die Vorwarnliste der gefährdeten Brutvogelarten geraten.

Nahezu täglich waren im Oktober bis zu vier Kolkraben, zwei Alt- und zwei Jungvögel, in der Landbachaue zu sehen. Die vermehrten Sichtungen über das ganze Jahr hinweg lassen auf eine Erholung der Bestände dieser fast ausgerotteten Vogelart hoffen. Ähnlich sieht es beim Habicht aus. Auch hier gab es im Oktober häufige Beobachtungen eines Jungvogels, u. a. durch seine im Flug häufig hängende oder auch strampelnde Beine leicht von einem Sperberweibchen zu unterscheiden.

Erwartungsgemäß verstärkte sich im Oktober der Bestand der alljährlich in der Landbachaue überwinternden Silberreiher. Diese weißen Reiher fliegen in der Dämmerung ihren angestammten gemeinsamen Schlafplatz in der Aue an und eine Zählung am letzten Oktoberabend ergab eine Anzahl von mindestens 21 dieser Vögel. Vermutlich wird dieser Bestand der Überwinterer in den nächsten Wochen noch weiter steigen.

Ab Mitte Oktober häuften sich die Meldungen von ziehenden Kranichen über Hessen. Obwohl die Landbachaue auch in einem der bekannten Zugkorridore liegt, war hier vom Kranichzug zunächst nichts zu bemerken. Dies änderte sich am 30. Oktober: Ab Nachmittag bis zur Dämmerung waren über der Landbachaue mindestens 3.000 Kraniche in vielen einzelnen Ketten zu sichten. Ebenso viele Kraniche zogen weiter östlich über Bickenbach und selbst in der Nacht und am frühen Morgen des Folgetages waren hier noch Rufe von überfliegenden Kranichen zu hören.