Mrz 262021
 
Fotos: NABU/Gunnar Glänzel – Einfacher Schutz gegen Verbiss durch Rehe mit Schafwolle

Schafwolle als einfacher Verbiss-Schutz

Mitglieder der Waldgruppe bringen einen einfachen Verbiss-Schutz an neu gepflanzten Eichen im Wald nahe bei Steigerts an: mit Schafwolle werden die Spitzentriebe der jungen Bäume umwickelt. Das verhindert wenigstens in der kritischen Zeit des Neuaustriebs im Frühjahr den Verbiss durch Rehe.

Die Fläche mit vormals ca. 40-jährigem Fichtenbestand war durch Borkenkäferbefall und beginnenden Windwurf seit 2017/2018 angeschlagen. Ein kleiner Teil der toten Fichten wurde der natürlichen Sukzession überlassen – ein weitaus größerer Anteil wurde leider entnommen. Letztes Jahr erfolgte durch HessenForst die Anpflanzung von Douglasie (geschützt durch Zäunung), Spitzahorn und Elsbeere (Einzelschützer) sowie Traubeneichen und Linden.

Bei den Linden und Eichen ist der Schutz gegen Verbiss unbedingt notwendig, denn leider haben ungeschützte Bäume in unseren Wäldern wegen der viel zu hohen Rehbestände kaum eine Chance.

Auch wenn wir als Waldgruppe natürlich mit Schutzaktionen die Wiederaufforstung mit einheimischen Arten unterstützen, möchten wir dennoch deutlich machen, dass wir die Vorgehensweise von HessenForst auf dieser Fläche sehr kritisch sehen:

  • Vor dem Eingriff sind dort nur sehr wenige Bäume tatsächlich umgefallen, auch wenn sie schon sehr krank oder bereits abgestorben waren.
  • Stattdessen wurden sie gefällt und entnommen.
  • Es wurde wenig Totholz, vor allem auch wenig totes Stammholz, dort für nachfolgende Generationen hinterlassen. Wie wichtig Totholz für ein gesundes Waldklima ist, haben wir schon an anderer Stelle betont – nachzulesen hier.
  • Und schließlich sehen wir die Pflanzung exotischer Arten wie Douglasie kritisch, da sie wenig Anschluss ans hiesige Ökosystem finden und einen geringeren Beitrag dazu leisten, etwa weil Insekten sie nicht so gut verwerten können; zudem brauchen Douglasien mehr Wasser als Fichte, Buche und Kiefer, und unter ihnen bildet sich in der Regel weniger Grundwasser – eine Studie dazu hier.

Insgesamt sehen wir die Herangehensweise sehr kritisch: Anstatt tote Bäume einfach stehen und der natürlichen Verwertung durch das Ökosystem zu überlassen, werden sie viel zu oft gefällt und entnommen, wobei der Boden auch noch durch schwere Erntemaschinen dauerhaft geschädigt wird. Leider beobachten wir dieses Vorgehen durch HessenForst immer öfter auch an anderen Stellen: Die Entnahmemengen sind insgesamt viel zu hoch, während die Art der Entnahme oft Bestände und Böden schädigt, so dass auch stehengelassene Bäume geschwächt werden, erkranken und bald auch gefällt werden „müssen“ – ein Teufelskreislauf, dem wir uns entgegen stellen müssen.

Teilnehmer vom NABU: Oliver, Gunnar, Sabine, Petra, Ben, Ana und Familien


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