Dez 232021
 

Foto: Meike Plößer – Alte Buche am Waldkunstpfad bei Darmstadt. Waldschützer:innen hatten die gefährdeten Bäume mit Schals markiert

HessenForst plant 160 teils Jahrhunderte alte Buchen im Staatswald am Waldkunstpfad südöstlich der Stadtgrenze von Darmstadt zu fällen.

Das Gebiet gehört zum Naturpark Bergstraße-Odenwald, ist teilweise FFH-Gebiet und Teil eines UNESCO Geoparks und unterliegt damit einem Schutzstatus. Natürlich wird der Großstadt-nahe Wald auch intensiv zur Naherholung genutzt.

Nachfragen von Naturschützern zu Details und Umfang der Fällungen wurden vom Forstamt Darmstadt bestätigt als dem Umweltinformationsgesetz unterliegend, jedoch mit dem Verweis auf das Geschäftsgeheimnis abgelehnt. Leider ein sehr typisches Verfahren der Forstbehörden in Hessen, um kritische Nachfragen seitens BürgerInnen und Naturschutzverbänden zu blockieren. Zur Erinnerung: der Staatswald gehört den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Hessen.


Trotz zahlreicher Proteste von Bürgerinnen und Bürgern und nach einem Treffen von Staatssekretär Conz vom Hess. Umweltministerium mit Vertretern der Stadt Darmstadt, Naturschutzverbänden und HessenForst, wo zunächst die Hoffnung auf einen Kompromiss geweckt wurde, hat das Forstamt Darmstadt kurz vor Weihnachten begonnen, vollendete Tatsachen zu schaffen und erste Bäume am Waldkunstpfad gefällt.

Naturschützer sehen die Massnahme als Provokation und Machtdemonstration seitens HessenForst gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern Darmstadts.

Mit Nachdruck unterstützen wir daher gemeinsam mit zahlreichen Naturschutzverbänden folgende Forderungen:

1. Ein sofortiger, einstweiliger Stopp der bereits begonnenen Fällungsmaßnahmen, bis die offenen Fragen der Naturschutzverbände in einem transparenten Dialog geklärt sind (vor allem: Auf welches Gebiet beziehen sich die Erntemaßnahmen? Wie viele und welche Bäume sind betroffen? Kann Verkehrssicherung auch ohne Fällung erfolgen, etwa durch Kappung morscher Äste?).

2. Ein gemeinsamer Ortstermin, bei dem Maßnahmen am Einzelbaum vorgestellt und von Fachpersonen diskutiert werden können. Dabei sollten neben dem Forstamt auch die Stadt Darmstadt vertreten sein sowie von Naturschutzverbänden zu benennende Personen.

3. Klare Trennung des Waldkunstpfads und damit einhergehender Notwendigkeit der Verkehrssicherung vom FFH-Gebiet 6118-304; keine „Kristallisationspunkte“ der Kunstwerke innerhalb oder am Rand dieses FFH-Gebiets.

Die Anfrage an Herrn Conz seitens der Naturschutzverbände ist bislang unbeantwortet geblieben, während HessenForst gleichzeitig Fakten schafft. Beides muss sich dringend ändern!

Der überregional engagierte Dipl. Forstwirt Volker Ziesling hat in einer Videobotschaft eine Expertise erstellt. Ein bis zu 180 Jahre alter Buchenbestand der hier unter lokal optimalen Bedingungen wächst, ist kerngesund.

Kommentarfunktion geschlossen