Mrz 212021
 

Etwa 150 große und kleine Malchener gingen bei regnerischem Wetter am Sonntagmorgen demonstrieren: für den Erhalt von wertvollen Amphibienteichen, die von den Kindergruppen der Wühlmäuse vor Jahren angelegt wurden. Die Sorge herrscht, dass mit der Änderung der Besitzverhältnisse die entstandenen wertvollen Biotope unwiederbringlich zerstört werden. Damit würden Springfrosch, Laubfrosch und mehrere Molcharten am Malchener Blütenhang durch aktives Eingreifen des Menschen verschwinden und das in einer Zeit des globalen Artenschwundes. Insbesondere soll der Zugang der Kindergruppen zu den von ihnen bisher gepflegten Amphibienteichen erhalten bleiben.

Wanderung zum Hermelinweiher

Der schönste Amphibienteich der Wühlmausgruppen – sonnenexponiert und mit vielen Versteckmöglichkeiten ist ein wichtiges Laichgewässer für Springfrosch, Grasfrosch und Laubfrosch und einige Molcharten. Der Teich war 2013 von den Wühlmäusen mit Schaufel und Schubkarre ausgegraben worden.

Was macht die drei Weiher so erhaltenswert?

Es geht hier in erster Linie um den Erhalt von Amphibien-Biotopen, nicht nur der Gewässer selbst sonder auch der gewässernahen Strukturen, wie Gebüsch, Brombeerhecken und Totholzstapeln. Die sonnenexponierten Gewässern sind wichtige Laichgewässer für Grasfrosch, Springfrosch, Erdkröte, Bergmolch und Fadenmolch.

Besonders wertvoll in dem sonnigen Teich ist vor allem der Laubfrosch, der hier reproduziert. Der Laubfrosch braucht sonnenwarme Gewässer ohne Fischbesatz und nahebei Gebüsch und besonders gern dichte Brombeerhecken. Von dort aus „singen“ die Laubfrösche an warmen Abenden im Mai.

In den beiden kühleren Waldteichen oberhalb laichen regelmässig Amphibien, die kühlere sauerstoffreiche Gewässer benötigen, wie Erdkröten; auch die Larven von Feuersalamander, Bergmolch und Fadenmolch sind regelmässig zu finden.

Über viele Jahre hinweg haben die Kindergruppen der Wühlmäuse in allen diesen Teichen die Amphibien gezählt und bestimmt.

Warum wurden die Teiche angelegt?

Es gibt einen Mangel an Amphibiengewässern, insbesondere an sonnenexponierten Gewässern ohne Fischbesatz. Viele Kleingewässer sind in den letzten Jahren verschwunden, die neu angelegten ortsnahen Gewässer sind beinahe immer mit Fischen besetzt und damit für konkurrenzschwache Amphibien nicht nutzbar als Lebensraum. Die Amphibien haben es zunehmend schwer in unserer ausgeräuten Landschaft.

Zudem sind die Wassermengen des Baches, an dem die Teiche liegen, sicher auch Klimabedingt, deutlich geringer geworden. „Natürliche“ Feuchtstellen des Bachlaufes, die vor 30 Jahren bis nahe der Dieburger Strasse reichten, enden heute schon kurz unterhalb der Amphibienteiche; im Sommer herrscht zunehmend extreme Trockenheit.

Alle Teiche wurden von Kindergruppen manuell angelegt und entsprechend hat sich bei großen und kleinen Malchern eine starke emotionale Beziehung zu den Teichen, aber auch den dort lebenden Tieren entwickelt. 

Was müsste passieren, um die Schutzfunktionen der Weiher zu bewahren bzw. die Arten weiter zu erhalten?

Aus Sicht des NABU erwarten wir, dass der Lebensraum für akut vom lokalen Aussterben bedrohte Amphibienarten erhalten bleibt und dass die teilweise zerstörten Teile der wichtigen Biotopausstattung an Gebüsch und Brombeerhecken für den Laubfrosch wieder hergestellt werden. Das kann natürlich auch durch ortsnahem Ausgleich erfolgen. Wir haben Vertrauen, dass die Untere Naturschutzbehörde hier ihrer Aufsichtspflicht gerecht wird.

DIe Nutzungskonflikte bei den oberen Teichen sind deutlich geringer, da eine Beweidung im Wald praktisch und rechtlich nicht möglich ist. Hier wäre ein Erhalt und Sicherstellung einer gewissen langfristigen Teichpflege zielführend für den Erhalt der Amphibien.

Aussicht und Hoffnung

Auch bei einem Eigentümerwechsel verbleibt natürlich die Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt beim Eigentümer, einige Biotope und bedroht Arten geniessen ja auch rechtlichen Schutz. Ein Erhalt der Teiche ist dafür absolut notwendig einschliesslich der Biotopausstattung im Uferbereich. Es muss sichergestellt werden, so dass zumindest keine Verschlechterung für die oben genannten Zielarten eintritt.

Der NABU und die Kindergruppen der Wühlmäuse würden anbieten, die langfristige Pflege der Teiche sicherzustellen. Dafür wäre zumindest temporär Zugang für die ehrenamtliche  Helfer auch vertraglich sicherzustellen. Natürlich wäre es schön, wenn die Kinder der Wühlmausgruppen auch weiter Amphibien in ihren Gruppenstunden unter Anleitung sehen dürfen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. 

Dafür wäre geeignete Pacht- oder Pflegeverträge zwischen dem neuen Eigentümer und dem NABU zielführend, optional natürlich auch ein Verkauf.

Tatsächlich ist eine ein Nutzung der Wiesenflächen mit extensiver Beweidung durch Pferde heute eine der wenigen wirtschaftlich interessanten Nutzungsformen am Blütenhang, die zudem aus naturschutzfachlicher Sicht für den Erhalt der offenen Kulturlandschaft am Blütenhang sehr wichtig geworden ist. Denn mit dieser Bewirtschaftung werden ja Arten der Trockenrasenflächen erhalten, auch die Vogelwelt profitiert. So war das Gebiet nördlich Malchen bis vor kurzem noch Brutgebiet des Wendehals, heute brütet diese Spechtart noch in den nahen Rödern.

Wir könnten uns vorstellen, dass wegen der zunehmenden Trockenheit eine Speicherung des Wassers für die Versorgung der Pferde und Wiesenflächen auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll wäre. Wenn eine solche Speicherung in amphibienfreundlichen Kette von amphibienfreundliche Speicherteichen erfolgen würde, könnte langfristig das Gebiet im Interesse der Artenvielfalt sogar aufgewertet werden. Der NABU steht hier als Berater für eine Biotopentwicklung gern zur Verfügung. 

Kommentarfunktion geschlossen