Okt 072023
 

Am 7.10.2023 fand in Heppenheim das “KlimaKino über den Wald der Zukunft” mit anschließender Podiumsdiskussion statt. Die BUND Kreisgruppe Bergstraße hatte dazu neben dem stellvertretenden Leiter des Forstamts Lampertheim Dirks Dins auch Yvonne Albe vom NABU Seeheim-Jugenheim und dem Netzwerk Bergsträßer Wald ins Kino Saalbau Heppenheim eingeladen.

Zunächst wurde der Dokumentarfilm “Die Zukunft des Waldes – der Wald der Zukunft” gezeigt, der in weiten Teilen unkritisch und unreflektiert den Ansatz des “Waldumbaus” hin zum “klimastabilen Wald der Zukunft” in Hessen darstellt und dabei alternative Ansätze zum Umgang mit Wäldern in der Klimakrise ausblendet.  

Anschließend eröffnete Moderator Matthias Ilka die Diskussion mit der Frage an Dirk Dins von HessenForst nach einem jetzt sofort umzusetzenden Notfallplan für den Wald. Sowohl Dirk Dins als auch Guido Carl vom BUND Bergstraße und Yvonne Albe sowie Redebeiträge aus dem Publikum machten im Verlauf der Veranstaltung deutlich: Wald braucht Zeit und gute Rahmenbedingungen – sowohl die Selbstheilungskräfte der Natur wie auch menschliches Eingreifen wirken nicht von jetzt auf gleich. Auf erstere wurde auch immer wieder verwiesen: Alle waren sich einig, dass Wald dann die besten Chancen hat, wenn die Bedingungen stimmen und Stressfaktoren vermieden werden.

Zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum thematisierten die Problematik zunehmender Trockenheit und sinkender Grundwasserstände. Wasser und Feuchtigkeit im Wald zu halten, sei demnach eines der drängendsten Probleme hessischer Wälder. Guido Carl informierte die Zuhörer über das Klageverfahren des BUND: Da der Wald im Ried durch Grundwasserabsenkungen stark leide, müsste Rheinwasser inflitriert werden, damit Bäume das Grundwasser wieder erreichen können. Yvonne Albe plädierte dazu, die Totholzanteile im Wald zu erhöhen, weil Totholz wie ein Schwamm Wasser aufsauge, halte und bei Bedarf wieder abgebe. 

Sie nannte in diesem Zusammenhang das Konzept der Stadt Darmstadt als vorbildgebend zur Wiederherstellung von Wald-Ökosystemen. Die Stadt setze auf die Selbstheilungskräfte des Waldes, setze auf natürliche Verjüngung mit heimischen Baumarten, nehme durch ein temporäres Einschlagsmoratorium und Reduzierung der Befahrung durch schwere Forstfahrzeuge sowie Vermeidung von Kronendachauflichtung Stressfaktoren von ihm, die die Widerstandsfähigkeit des Waldes gegen Hitze und Trockenheit sowie die Wasserspeicherfähigkeit herabsetzen.

Auch das Thema “Zukunftsbäume” wurde angerissen: Dabei handelt es sich um Baumarten, die sich in anderen Klimazonen bewährt haben und deswegen hier angesiedelt werden sollen. In der Diskussion konnte dazu wenig Definitives festgestellt werden, außer dass dieser Ansatz mit zahlreichen Unwägbarkeiten und Risiken verbunden ist, sich aktuell in der Versuchsphase befindet und niemand sagen kann, inwiefern er eine Lösung für die Klimakrise im Wald werden kann. Dirk Dins thematisierte das Vorgehen des Forstamtes Lampertheim, nach dem vorrangig heimische Baumarten in die Wälder eingebracht werden. Nur ein geringer Teil (Douglasie, Küstentanne und Roteiche) seien nicht-heimische Baumarten. Der anwesende Förster der Gemeinde Heppenheim Thomas Schumacher war der Ansicht, dass man unseren heimischen Baumarten sehr viel mehr zutrauen sollte, was Yvonne Albe mit einer aktuellen Studie der Universität Dresden zur Rotbuche unterstrich: Jungbäume seien schon jetzt sehr viel trockenheitsresistenter als die älteren Baumgenerationen.

Ein Zuhörer postulierte, 30-50% Prozent aller Wälder deutschen Wälder sollten konsequent geschützt werden, um einen Beitrag zu Klimaschutz und Artenvielfalt zu leisten. Ein weiterer Gast mit forstlichem Hintergrund konstatierte, dass Deutschland schon jetzt große Mengen aus dem Ausland importiere, um den Holzbedarf im Land zu decken. Würde man weniger Holz aus den eigenen Wäldern holen, müsste noch mehr Holz aus Ländern importiert werden, die ihre Wälder nicht nachhaltig bewirtschafteten. Diesem Problem sei zu begegnen, indem man den Holzverbrauch im eigenen Land konsequent und drastisch verringert, weniger Holz verbrennt und mehr Holz kaskadisch nutzt, so Albe. In Deutschland, als Beispielsland für Hochkonsum, ist der Holzverbrauch mit 1,2 Kubikmeter pro Kopf und Jahr doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt.

In ihren Schlussworten waren sich alle Diskutant:innen einig: Es muss alles getan werden, um die Verschlechterung der Rahmenbedingungen im Zuge der Klimakrise für den Wald einzudämmen. Yvonne Albe ergänzte, dass der Wald wieder mehr alte Bäume brauche – diese spielen eine Schlüsselrolle beim Überleben des Waldes, werden jedoch aktuell noch viel zu oft bei Erreichen der Hiebsreife und damit weit vor Ablauf ihrer natürlichen Lebenszeit gefällt. 

Uralte Buche im Naturwaldreservat „Foresta Umbra“, Gargano, Italien. Foto: Yvonne Albe

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