Feb 032021
 

Die Klimakrise und das fortschreitende Artensterben sind die großen politischen Herausforderungen unserer Zeit. Nicht nur, aber auch auf Gemeindeebene entscheidet sich, ob der Umbau zu einer mehr naturverträglichen Lebensweise gelingt.

Darum hat der NABU alle in seinem Wirkungsbereich antretenden Parteien zu verschiedenen Themen befragt, die uns besonders am Herzen liegen. Die Antworten haben wir unten so wiedergegeben, wie wir sie von den Parteien erhalten haben. Wir legen alle Bürgern und Bürgerinnen ans Herz, sich auf diese Weise über die Positionen der Partien zu den Umwelt- und Naturschutzthemen  zu informieren und sich zu überlegen, welche Rolle das für ihre Wahlentscheidung spielt.

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Antworten der Parteien aus Seeheim-Jugenheim zu den von uns vorgelegten Fragen vor.

Wie möchten Sie lokal zur Eindämmung der Klimakrise beitragen? Wie kann unsere Gemeinde nachhaltiger werden?

Die Einhaltung des 1,5°-Ziels des Pariser Klima-Abkommens ist zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen außerordentlich wichtig, aber aktuell stark gefährdet. Wo sehen Sie konkrete Potenziale den CO2-Ausstoß in der Gemeinde zu verringern? Wie kann die Gemeinde zur Verkehrs- und Energiewende beitragen?

SPD

Die Folgen der Klimaveränderungen werden immer spürbarer – auch in unserer Region. Insbesondere die trockenen, heißen Sommer erleben wir alle als außergewöhnlich und belastend. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Vorschläge in die Gemeindevertretung eingebracht bzw. unterstützt. Hierzu gehören:

  • Leerstandskataster,
  • Autarkie durch Windkraft
  • Photovoltaik auf Dächern,
  • Bauverdichtung durch Wohnungsbau z.B. auf Lebensmittelmärkten,
  • Solar-Karree am Zeppelinweg (hierzu haben wir in Freiburg eine Wohnanlage angeschaut)
  • Null-Energie-Häuser etc.

Leider fanden diese bisher keine politische Mehrheit oder Anträge wurden bisher nicht bearbeitet bzw. umgesetzt.

Nichtsdestotrotz gilt es weiterhin solche Projekte zu fördern, Energieberatung und Klimaschutz zu fördern.

Dazu gehört aber auch eine öffentliche Verkehrsanbindung, die Förderung von Car-Sharing, der Ausbau des Radwegenetzes Es gilt aber auch, für die hier lebenden Menschen Plätze, Orte und Räume zu stiften, die der Erholung dienen. Hierzu gehört selbstverständlich der Gemeindewald.

CDU

Diese Frage wird zum Teil schon durch unsere Fraktionsarbeit aus der Vergangenheit beantwortet. Die CDU hat die Umstellung der Gemeinde auf LED Beleuchtung beantragt, sowie einen Antrag zur papierlosen Gemeindevertretung gestellt. Aktuell setzten wir uns für die Verpachtung der Dachflächen der neuen Sport- und Kulturhalle ein, dass dort eine Photovoltaikanlage errichtet werden kann. Ein Modell, was sich auch für weitere kommunale Bauten anbietet.  

In unserem Wahlprogramm finden Sie weitere Vorhaben:

  • E-Mobilität in unserer Gemeinde möchten wir unter anderem durch den Ausbau der Ladeinfrastruktur vorantreiben.
  • Wir wollen Ressourcen intelligent nutzen, zum Beispiel durch die Förderung von Regenwassernutzungsanlagen, insbesondere im privaten Bereich.
  • Das Projekt des Rad-Schnellweges wird von uns ebenfalls mitgetragen, sobald eine geeignete Streckenführung gefunden ist.

FDP

Vorbemerkung: Die Ziele des NABU unterstützen wir, wo immer dies möglich ist. Doch sie müssen stets gegen die Wünsche und weitere Interessen der Allgemeinheit rational abgewogen werden. Ein Beispiel dafür ist die Entscheidung der schwarz-grünen Landesregierung für den Vorrang von Windrädern gegenüber dem Artenschutz, was in dem Fall u.a. den Roten Milan trifft. Wir müssen Politik für die Menschen machen, wie sie sind, aber nicht wie wir sie gerne hätten.

Antwort: Die Möglichkeiten in einer Kommune sind zwar begrenzt, aber sie sollten genutzt werden: Bei ohnedies notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen an gemeindeeigenen Gebäuden beispielsweise sollen zugleich energetische Sanierungsmaßnahmen greifen. Bei öffentlichen wie privaten Neubauten soll der Null-Energie-Standard angestrebt werden.

Auch im Verkehr gibt es Optimierungschancen: Bessere Anbindung der Ortsteile an den Öffentlichen Nahverkehr sowie Maßnahmen mit dem Ziel, die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern und das Radfahren und Zu-Fuß-Gehen sicherer und attraktiver zu machen.

Auch die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort hilft: Wer nicht weit fahren muss oder gar zuhause arbeitet, produziert weniger CO2. Für beides ist der Ausbau schnellen Internets nötig, denn nur dann kann sich Home Office etablieren, nur dann können auch Innovative Firmen – wie Social Media-Agenturen – für den Standort gewonnen werden, die kaum Emissionen verursachen. Arbeitsplätze vor Ort stärken auch den lokalen Einzelhandel. Sie wirken der Ausdünnung der Ortskerne entgegen, wenn Beschäftigte dort im Vorbeigehen ihre Einkäufe erledigen können.

Die FDP ist der Meinung: Wirtschaftsförderung und Umweltschutz schließen sich also nicht aus. Im Gegenteil: Wir brauchen die Gewerbeeinnahmen – auch um Umweltschutzmaßnahmen finanzieren zu können.

Die Grünen

  • Unser Ziel ist es, dass der Neubau Sportund Kulturhalle / Bürgerzentrum nachhaltig und klimaneutral gestaltet wird (z.B. Wärmepumpe, Photovoltaikanlage, Regenwassernutzung).
  • Der Fuhrpark der Gemeinde (Bauhof, Verwaltung, Dienstwagen) soll auf E-Fahrzeuge umgerüstet werden und Fahrräder, E-Bikes und E-Lastenräder sollen eingesetzt werden, wo es möglich ist.
  • Den Mitarbeiter*innen der Verwaltung soll Homeoffice ermöglicht werden.
  • Die Liegenschaften der Gemeinde sollen klimaneutraler gestaltet werden.
  • Die GRÜNEN haben den Antrag gestellt, dass eine Stelle für eine*n Klimaschutzmanager*in
  • geschaffen wird.
  • Die GRÜNEN wollen mehr Kommunikation der Gemeindeverwaltung mit den Bürger*innen zur Aktivierung für Klimaschutzmaßnahmen.
  • Es muss eine sinnvolle Planung des Fernradweges Darmstadt-Rhein-Neckar geben.
  • Die Infrastruktur zum Fahrradfahren in der Gemeinde muss verbessert werden.
  • Der Ausbau der Erzeugung erneuerbarer Energien muss intensiviert werden.

Die Linke

Unser wichtigster Punkt ist die Energieautarkie der Gemeinde Seeheim-Jugenheim! Wir wollen perspektivisch mittels Wind- und Solarenergie erreichen, dass sich unsere Gemeinde selbst mit Strom versorgen kann, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit benachbarten Gemeinden. Dazu müssen mehr Windräder in den höheren Lagen der Gemeinde, sowie Solaranlagen auf Privathaushalten und auf Gemeindeeigentum gebaut werden. Des Weiteren wollen wir Car- und Bikesharing ausbauen und den ÖPNV nachhaltig gestalten (E-Busse) sowie mehr Radwege ausbauen. Um die Versiegelung neuer Flächen zu vermeiden wollen wir innerstädtisch nachverdichten sowie alternative Wohnformen, wie Tiny-Houses oder Bauwägen, fördern. Ebenso unterstützen wir die Bereitstelltung einer Fläche Wald an der Galgenbuche zur Erhaltung der Artenvielfalt durch den NABU in Seeheim-Jugenheim.

Wie wollen Sie den fortschreitenden Flächenfraß eindämmen?

Der Flächenverbrauch durch Baumaßnahmen ist eine der größten Bedrohungen für unsere Natur und kann durch sogenannte „Ausgleichsmaßnahmen“ nicht abgemildert werden. Eine weitere Vergrößerung der Verkehrs- und Siedlungsfläche durch neue Baugebiete und Bauvorhaben im Außenbereich wäre aus Naturschutzsicht katastrophal. Als primäre Planungsinstanz haben hier die Gemeinden eine besondere Verantwortung. Wie möchten Sie dieser gerecht werden?

SPD

Naja, fortschreitender Flächenfraß ist in unserer Gemeinde im eigentlichen Sinne nicht gegeben. Neue Bebauungsgebiete im Außenbereich werden nicht mehr ausgewiesen.  Die letzten Bebauungen bezogen sich auf Innenverdichtung (teilweise nach Abriss von baufälligen Häusern/Produktionsanlagen), darüber hinaus gab es noch Randbebauungsprojekte. Das Moratorium zur Tränk gilt fort, auch wenn es die SPD war, die für die Bebauung kämpfte. Jetzt gilt es, die Möglichkeiten innerhalb der Gemeindegrenzen zu erfassen, Gebäude zu erhalten. Der Umbau von Bestandsgebäuden zu Mehrgenerationenhäusern könnte das Projekt bezahlbaren Wohnraums im Übrigen gut unterstützen. Auch Gewerbeansiedlungen im Innenbereich sind nötig, um die Gemeindefinanzen entsprechend zu stabilisieren.

CDU

In Anbetracht der steigenden Weltbevölkerung, gewinnt diese Frage zunehmend an Bedeutung.

Seeheim Jugenheim verfügt nur über wenige geeignete Flächen zur baulichen Entwicklung im Außenbereich und diese beschränkten Möglichkeiten werden nicht ausgeschöpft. In diesen Bereichen wurden in den letzten Jahren keine Baugebiete ausgewiesen und es ist auch aktuell keine solche Maßnahme zur Entscheidung im Geschäftsgang der kommunalen Gremien. Als CDU planen wir auch keinen Vorstoß, daran etwas zu ändern.  

Das Thema Innenverdichtung hingegen spielt eine große Rolle in unserer Gemeinde und wird von der CDU mitgetragen.

Wichtig ist für uns auch die Vermeidung von Leerständen. Am Beispiel des gemeindeeigenen Gebäudes in Jugenheim, alte Bergstraße Ecke Bachwinkel, möchten wir dies verdeutlichen.

Dieses Gebäude steht seit mehreren Jahren leer. Die CDU Fraktion stellte den Antrag, dieses Gebäude zu veräußern, zum Beispiel unter Anwendung eines sozialverträglichen Erbpacht Modells, mit dem Ziel neuen Wohnraum schaffen zu können. Als Eigentümer des Gebäudes sollten wir bei der Vermeidung von Leerstand Vorreiter sein, um auch als Vorbild für Private zu dienen. Leider wurde dieser Antrag von den anderen Parteien abgelehnt, wir behalten die Situation aber im Blick.

Vermeidung von Leerständen wie diesem, das Schließen von Baulücken und gezieltes nachhaltiges Vorgehen bei Planungen, unter Berücksichtigung des Flächenverbrauches stehen für uns im Vordergrund.

FDP

Flächenverbrauch sollten wir aufs Notwendige beschränken, aber nicht generell ausschließen. Denn wir brauchen Wohnraum für junge Familien. Ziehen sie nicht nach Seeheim-Jugenheim, wohnen sie eben woanders – etwa im hinteren Odenwald. Was wir hier also an Fläche schonen, wird eben dort verbraucht. Und lange Fahrtzeiten kommen hinzu. Am Ende ist es ein Nullsummenspiel. Es gilt stets, die Vor- und Nachteile – auch mit den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen – abzuwägen

Auch die Vorstellung, ältere Menschen durch innovative Wohnkonzepte zur Aufgabe ihrer zu groß gewordenen Familienheime zu bewegen, ist theoretisch toll, aber in der Realität nur mit und nicht gegen die Betroffenen zu realisieren.

Daher sollten wir uns darauf konzentrieren, bei der Ausweisung neuer Baugebiete darauf achten, dass Luftdurchzugszonen oder Wanderrouten der Fauna nicht unterbrochen werden. Aber all diese Aspekte des Natur- und Umweltschutzes werden ja bereits in den heute üblichen Planungs- und Genehmigungsverfahren intensiv geprüft und bewertet. Und Organisationen wie der NABU bringen sich dort bereits ein.

Die Grünen

  • Seit vielen Jahren lehnen die GRÜNEN eine Bebauung im Außenbereich ab.
  • Stattdessen sind wir für eine maßvolle Innenverdichtung.
  • Leerstehende Grundstücke und Gebäude im Innenbereich sollten einer Nutzung zugeführt werden.

Die Linke

Um die Versiegelung neuer Flächen zu vermeiden wollen wir innerstädtisch nachverdichten sowie alternative Wohnformen, wie Tiny-Houses, Mehrgenerationenhäuser oder Bauwägen, fördern

Welche Maßnahmen planen Sie, um natürliche Lebensräume und Artenvielfalt in der Gemeinde und auf gemeindeeigenem Land zu fördern?

Der Verlust von Artenvielfalt schreitet rasend voran, wir beobachten in den letzten Jahren den Verlust immer weiterer Arten auf dem Gebiet unserer Gemeinden. Die Gemeinde als Grundstückseigentümer könnte die Artenvielfalt durch geeignete Pflegemaßnahmen oder bei Verpachtungen fördern (siehe: https://www.fairpachten.org/). Wie stehen Sie dazu?

SPD

  • Böschungen der Feldwege ermitteln und mit Blühsamen für die Insektenvielfalt begrünen (Antrag)
  • Schotterflächen in Vorgärten und auf kommunalen Flächen in Blühflächen umwandeln (Antrag)
  • Gestaltung Freifläche zum Neubau Sport- und Kulturhalle (Forderung Runder Tisch)
  • Grünstreifen entlang der Wege wieder mit Bäumen bepflanzen
  • Es gilt, alte Obstsorten wieder zu kultivieren.
  • Streuobstwiesen fördern und unterhalten. Hierzu zählt auch der Blütenhang!

CDU

Unsere Gemeinde hat es hier nicht einfach. Seeheim-Jugenheim verfügt, im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Landkreis, über wenige eigene große Flächen, umso wichtiger erscheint es uns, für die vorhandenen kleineren Grünflächen -u.a. Goldschmidt Park- ein Pflegekonzept zum Erhalt der Pflanzen- und Artenvielfalt zu erstellen.

FDP

Da ist nicht nur die Politik gefragt, sondern jeder Bürger. Wir unterstützten jede Maßnahme, die zur Vermeidung oder dem Rückbau der unseligen Schottergärten beträgt. Sie sind nicht nur hässlich. Mit jeder Schotterfläche verschwindet ein Lebensraum und eine Nahrungsgrundlage für Insekten und Vögel, und sie schadet dem Mikroklima. Hier muss die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen und Schotterflächen beispielsweise auf Verkehrsinseln wieder bepflanzen und pflegen – auch wenn dies mehr Geld kostet. In künftigen Bebauungsplänen müssen die Gestaltungsvorschriften Schottergärten verbieten.

Die Grünen

  • Es müssen mehr Blühstreifen im Gemeindegebiet auf gemeindeeigenen Flächen angelegt werden und Bürger*innen sollen dazu animiert werden in ihren Gärten ebenso zu handeln.
  • Auf gemeindeeigenen Flächen muss naturnahes Gärtnern umgesetzt werden.
  • Durch Kommunikation und Infoveranstaltungen soll die Bevölkerung zu mehr naturnahem Gärtnern anregt werden.
  • Schottergärten müssen nach geltendem Recht sanktioniert werden.
  • Es muss viel mehr Informationen und Beratung für die Bürger*innen geben.

Die Linke

Wir wollen ökologischen Landbau fördern und weniger auf Pestizide setzen. Die Initiative Fairpachten.org sehen wir als gute Unterstützung für Kommunen an.

Unterstützen Sie eine naturnähere Bewirtschaftung des Gemeindewaldes und wie möchten Sie dies umsetzen?

Der Wald erfüllt heute vielfältige Funktionen. Er wird als Naturraum zu Erholung geschätzt, er ist Lieferant für Holz, CO2-Speicher und Schutzraum für Tiere und Pflanzen.

SPD

  • Welche Funktion(en) stehen für Sie im Vordergrund?

Die Schutz- und Erholungsfunktionen (siehe Forsteinrichtung von 2016)

  • Was möchte Sie tun, um den Wald zu unterstützen, damit er in Zeiten des Klimawandels diese Funktion(en) weiter erfüllen kann? Unterstützen Sie die Ausweisung von Stilllegungsflächen im Gemeindewald?

Im Odenwald sind die Waldstrukturen durch geeignete Baumarten aufzuwerten, insbeondere dort, wo  durch die Trockenheit Freiflächen oder Lücken in den bestehenden Beständen entstanden sind. Ansonsten ist auf die Naturverjüngung der vorhandenen Laubbäume zu setzen. Es soll darauf geachtet werden, dass es dort keine Nadelholz-Reinbestände mehr gibt.

In der Ebene ist zu prüfen, ob die dort standortgerechte Kiefer, die aufgrund von Trockenheit und Pilzbefall ausfällt, durch andere Baumarten ersetzt werden kann. Dazu haben wir einen entsprechenden Antrag in die Gemeindevertretung eingebracht, um andere, trockenresistentere Baumarten zu testen. Um den Waldcharakter dort zu erhalten, sind aktive Pflanzmaßnahmen erforderlich.

Eine Stilllegung, wie sie im Stadtwald Darmstadt vorgesehen ist, trägt zur Vernichtung des Waldes bei, sie führt zur Verarmung der Waldstrukturen, weil der Wald in Mitteleuropa automatisch einem dunklen und monotonen Hochwald zustrebt. Diese strukturarmen Wälder beherbergen nur eine sehr geringe Zahl an Tier- und Pflanzenarten, die an diese besonderen Strukturen angepasst sind. Sofern das Ziel aber eine möglichst hohe Biodiversität ist, müssen viele unterschiedliche Strukturen vorhanden sein. Diese sind nur durch eine möglichst kleinräumige Bewirtschaftung zu erreichen, wobei auf den Erhalt alter Bäume zu achten ist, die einem natürlichen Absterben überlassen bleiben. Da der Gemeindewald eine möglichst hohe Biodiversität haben soll (siehe Forsteinrichtung), soll er rücksichtsvoll bewirtschaftet werden, soll eine ausreichende Zahl von Habitatbäumen aufweisen, und es soll auf Stilllegungen verzichtet werden. Stilllegungen sind auch im Rahmen der Zertifizierung nach FSC und PEFC nicht gefordert worden.

  • Halten Sie ein Moratorium für den Holzeinschlag für sinnvoll, um dem geschwächten Wald eine Erholung zu ermöglichen?

Es ist mit unserem Waldbewirtschafter HessenForst so abgesprochen, dass nur das Holz eingeschlagen wird, das verkauft werden kann und nur Pflegeeingriffe in die jungen Bestände getätigt werden, damit diese sich entsprechend entwickeln können. Das schlägt sich in den jährlichen Besprechungen zum Waldwirtschaftsplan nieder, wo der von der Forsteinrichtung vorgeschlagene Hiebssatz in den letzten Jahren nicht ausgeschöpft wurde. Es kann nicht das Ziel sein, den Wald zum Nachteil seiner sozialen und natürlichen Funktionen auszubeuten (siehe oben).

CDU

Nach den letzten Waldbegehungen mit Hessenforst und den Beiträgen des Revierförsters in den kommunalen Ausschusssitzungen, kommen wir zu der Einschätzung, dass die aktuell im Gemeindewald betriebene Bewirtschaftung bereits sehr naturverträglich ist. Bei vielen Aspekten wurde umgedacht, um unseren Wald bestmöglich an die gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen anzupassen. Als Kommunalpolitik haben wir unserer Verantwortung in vielen Beschlüssen Rechnung getragen. Exemplarisch möchten wir folgende hervorheben: Wir streben keinen Gewinn durch die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes an, sondern lediglich eine Kostenneutralität. Weiterhin ermöglicht der im Forsteinrichtungswerk vereinbarte Holzeinschlag einen Zuwachs der im Wald befindlichen Holzmenge, um die CO2 Speichermöglichkeit zu nutzen.

• Welche Funktion(en) stehen für Sie im Vordergrund?

Unserem Wahlprogramm lässt sich hierzu entnehmen:

Waldwirtschaft bedeutet für uns eine Bewirtschaftung, die sich den klimatischen Verhältnissen anpasst und dabei zukunftsorientiert ausgerichtet ist. Dabei legen wir großen Wert auf verantwortungsvolle Pflege

• Was möchten Sie tun, um den Wald zu unterstützen, damit er in Zeiten des Klimawandels diese Funktion(en) weiter erfüllen kann? Unterstützen Sie die Ausweisung von Stilllegungsflächen im Gemeindewald?

In unserem Gemeindewald wird die Stilllegung verschiedener Flächen bereits praktiziert. Bei der jährlichen Vorstellung des Waldwirtschaftsplanes haben wir der Stilllegung bisher auch immer zugestimmt. Hierbei sind wir den Empfehlungen des Revierförsters gefolgt und sehen auch weiterhin einem guten Austausch entgegen.

• Wieviel Prozent des Gemeindewaldes würden Sie gerne der Natur überlassen (Wegesicherung ausgenommen)?

Die statische Festlegung eines Prozentsatzes halten wir in dieser komplexen Thematik für den falschen Ansatz. Bei der Stilllegung spielen verschiedene Abwägungen eine Rolle, wie etwa die geografischen und geologischen Besonderheiten einer Abteilung, oder der Zeitpunkt der letzten Durchforstung. Dort, wo es einen ökologischen Mehrwert hat und die Erholungsfunktion des Waldes es zulässt, sind wir zur Ausweis von Stilllegungsflächen weiterhin gerne bereit.   

• Halten Sie ein Moratorium für den Holzeinschlag für sinnvoll, um dem geschwächten Wald eine Erholung zu ermöglichen?

Die Gemeindevertretung berät alljährlich über die Umsetzung des Waldwirtschaftsplanes. Vorschläge zu Änderungen der forstwirtschaftlichen Praxis werden in den Ausschüssen intensiv und fortlaufend diskutiert. Hierbei geht es nicht nur um den Holzeinschlag, sondern auch um die Erholungsfunktion, die Stilllegung von Flächen, Aufforstung, Wildverbiss, Wegesicherung usw. Dieser regelmäßige Diskurs scheint uns der geeignetere Weg zusein, als ein Moratorium. 

FDP

Wir sehen den Natur- und den Wirtschaftsraum als gleichgewichtige Werte an. Idealerweise decken die Einnahmen aus dem Holzverkauf zumindest die Kosten für die Pflege des Waldes.

Künftige Aufforstungsmaßnahmen müssen durch die geschickte Auswahl der Gehölze auf den Klimawandel Rücksicht nehmen. Baumsorten, die mit den zunehmenden Trockenperioden gut zurechtkommen, müssen verstärkt angepflanzt werden. Ein Moratorium für den Holzeinschlag erübrigt sich angesichts der Trockenschäden der letzten Jahre. Die Förster sind gezwungen, zunächst abgestorbene Bäume zu fällen. Schon allein wegen der gewaltigen Aufgabe, die Dürreschäden aufzuarbeiten, wird manches Waldstück sich selbst überlassen bleiben.

Die Grünen

Welche Funktion(en) stehen für Sie im Vordergrund?

  • Der Naturraum Wald steht für uns GRÜNE klar im Vordergrund, nicht die Holzwirtschaft.
  • Die GRÜNEN wünschen sich einen naturnahen Dauerwald, bei dem nur eine maßvolle Holzentnahme stattfindet.

Was möchten Sie tun, um den Wald zu unterstützen, damit er in Zeiten des Klimawandels diese Funktion(en) weiter erfüllen kann? Unterstützen Sie die Ausweisung von Stilllegungsflächen im Gemeindewald?

  • Die Lokale Agenda Gruppe Wald sollte nach Covid-19 dringend aktiviert werden.
  • Um die natürliche Verjüngung des Waldes zu fördern, ist Begrenzung der Rehwildpopulation notwendig.
  • Die Baumartenvielfalt muss erhöht werden.
  • Wir GRÜNEN haben bereits 2012 beantragt, Teile des Gemeinde-Waldes aus der Nutzung herauszunehmen mit dem Erfolg, dass endlich in der Forsteinrichtung 2017 6 % des Gemeindewaldes aus der Nutzung herausgenommen wurden.

Wieviel Prozent des Gemeindewaldes würden Sie gerne der Natur überlassen (Wegesicherung ausgenommen)?

  • Die GRÜNEN können sich weitere Flächen (bis ca. 10 %) vorstellen. Es gibt im Staatswald rund um Seeheim-Jugenheim viele stillgelegte Flächen auf Initiative der Landes-GRÜNEN.

• Halten Sie ein Moratorium für den Holzeinschlag für sinnvoll, um dem geschwächten Wald eine Erholung zu ermöglichen?

  • Wir halten einen kompletten Stopp des Holzeinschlags für nicht sinnvoll, weil ein Moratorium nicht automatisch zu einer Erholung eines geschwächten Waldes führt.
  • Die Gemeindevertretung hat in Zusammenarbeit mit Hessenforst den ursprünglich geplanten Einschlag aus der Forsteinrichtung von 2017 schon deutlich reduziert.

Die Linke

Der Wald ist für uns in erster Linie CO2-Speicher und Naherholungsgebiet. Damit er diese Funktionen erfüllen kann, muss alles daran gesetzt werden, kranke Bäume durch Aufforstung zu ersetzen, zuerst einmal durch heimische Bäume, in Zukunft aber auch durch Bäume die robuster sind als unsere heimischen, z.B. die Douglasie, wenn dies sinnvoll erscheint. Mit der Ausweisung von Stilllegungsflächen haben wir uns leider sehr wenig beschäftigt. Falls dies aber der Regeneration der dortigen Bäume dient und der Gemeinde nicht zu viel finanzielle Einbußen verursacht, unterstützen wir dies. WIr würden gern soviel Waldfäche wie möglich der Natur überlassen, ohne die Gemeinde in eine ernsthafte finanielle Notsituation zu stürzen. Bezüglich eines Moratoriums zur Walderholung sind wir dafür, wenn der Zustand des Gemeindewaldes ernsthaft bedroht ist und es keine andere Möglichkeit gibt, ihn zu retten.