Aug 302013
 

In Seeheim konnten bei der diesjährigen Schwalbenzählung des NABU Ortsverbandes Seeheim-Jugenheim nur noch 27 Brutpaare Mehlschwalben festgestellt werden. Das ist gerade noch etwas mehr als ein Drittel der 76 Brutpaare die im Jahr 2000 gezählt wurden und weit entfernt von den Beständen am Ende der 80er Jahre, als über 200 besetzte Nester in Seeheim dokumentiert wurden.

Während die Mehlschwalben ihre kugeligen Nester an der Außenfassade von Gebäuden bauen, legt die Rauchschwalbe ihr oben offenes Nest meist innerhalb von Viehställen an.

Rauchschwalben brüten mit 10 Brutpaaren am Reiterhof Seeheim, ansonsten konnten im Ortsgebiet nur sehr wenige Tiere beobachtet werden. Das entspricht etwa den Beständen des Jahres 2000. Die Rauchschwalbe ist bei uns schon seit den 80er Jahren recht selten geworden, als viele landwirtschaftliche Betriebe die Viehhaltung einstellten oder ganz aufgegeben wurden.

2013 wurden in Ober-Beerbach 27 besetzte Mehlschwalbennester gezählt, 1993 waren es hier noch 73 Brutpaare.

Leider konnten nicht genügend Zähler gefunden werden, um auch in den anderen Ortsteilen die Schwalbenbestände systematisch zu erfassen. Sehr gefreut hat sich die NABU Ortsgruppe, dass einige Bürger an deren Haus Schwalben brüten, dem Aufruf gefolgt sind und die Vorkommen gemeldet haben. Diese Meldungen zeugen unter anderem von Mehlschwalbenvorkommen in Balkhausen (mindesten 4 Brutpaare) und Rauchschwalben in Stettbach (mindesten 6 Brutpaare).

Der starke Rückgang der Mehlschwalben hat vermutlich mehrere Gründe: Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die immer steriler werden Ortschaften ist die Zahl der fliegenden Insekten und damit das Nahrungsangebot für die Schwalben stark zurückgegangen. Asphaltierte oder gepflasterte Höfe und Gärten nur mit Rasen und Koniferen bieten nur wenig Nahrungsangebot für Tiere, die sich früher in den weniger „sauberen“ und „ordentlichen“ Ortschaften wohl gefühlt haben.

Auch das Fehlen von geeignetem Nistmaterial scheint zu dem Rückgang beigetragen zu haben. Die Schwalben benötigen zum Bau ihrer Nester feuchten Lehm oder Schlamm. Da fast alle Wege heute befestig sind, ist Schlamm nur noch selten zu finden. Es ist auffällig, das 14 der 27 Seeheimer Mehlschwalbenpaare nicht in Nester wohnen, die sie selbst gebaut haben, sondern in künstlichen Nestern, die naturliebende Hausbesitzer für sie aufgehängt haben. Fast alle dieser Nisthilfen in Seeheim waren auch von Schwalben besetzt.

Solche Nisthilfen sind aus Holzbeton gefertigt und werden von verschiedenem Herstellern angeboten. Die NABU Ortsgruppe Seeheim-Jugenheim wird auf dem Pflanzenflohmarkt im Oktober Schwalbennisthilfen anbieten, mit denen Hausbesitzer zum Schutz der Schwalben beitragen können.

Rauschwalben

Foto: NABU/Stefan Leng – Rauchschwalben in Seeheim

Die Rauchschwalbe brütet fast ausschließlich in Ställen, in den Großtiere gehalten werden. Da es bei uns nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung gibt, sind es heute insbesondere Pferdeställe, die den Rauchschwalben Unterkunft bieten. Somit können private Pferdehalter zum Überleben dieser schönen Vögel beitragen, indem sie ihnen Einflugsmöglichkeiten in die Ställe bieten und die Nester ungestört lassen.

Wegen der langen Schlechwetterperiode im Frühjahr haben die Schwalben ihr Brutgeschäft erst recht spät begonnen, in einigen Nestern sitzen noch jetzt die Jungen. Trotzdem dauert es nun nicht mehr lange, bis sich die Schwalben wieder auf den Weg in ihr afrikanisches Winterquartier machen. Und hoffentlich kommen sie nächstes Jahr wieder zahlreich zu uns zurück.

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