
Wie lassen sich Landwirtschaft und Naturschutz miteinander verbinden? Dieser Frage widmeten sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher am vergangenen Mittwoch im Bürgerhaus Sonne in Alsbach. Trotz hochsommerlicher Temperaturen war das Interesse am gemeinsamen Vortragsabend des Lernorts Natur an der Fasanlache e. V., des NABU Seeheim-Jugenheim e. V. und des BUND Region Frankenstein groß.
Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Dr. Philipp Weckenbrock: „Agroforst auf dem Gladbacherhof – Erfahrungen aus den ersten sechs Jahren“. Der Gladbacherhof in Villmar-Aumenau ist Lehr- und Versuchsbetrieb der Justus-Liebig-Universität Gießen. Auf rund 15 Hektar wird dort untersucht, wie sich Gehölze und landwirtschaftliche Nutzung sinnvoll miteinander verbinden lassen.

Zu den zentralen Zielen am Gladbacherhof gehören:
• der Schutz landwirtschaftlicher Böden vor Erosion,
• ein besserer Wasserrückhalt und ein nachhaltigeres Wassermanagement,
• mehr Struktur und Lebensraumvielfalt in der Agrarlandschaft,
• natürliche Beschattung und damit bessere Bedingungen für Weidetiere.

Die im Vortrag vorgestellten Agroforstsysteme bilden wichtiges Bindeglied zwischen Landwirtschaft, Boden- und Naturschutz. Bäume und Sträucher können insbesondere in strukturell armen Agrarlandschaften zusätzliche Lebensräume schaffen und zugleich zur Klimaresilienz beitragen.

Landwirtschaft mit Zukunft
Anhand eindrucksvoller Bilder stellte Dr. Weckenbrock die Entwicklung von drei unterschiedlichen Agroforstsystemen vor. Dabei zeigte er sowohl die erzielten Fortschritte als auch die praktischen Herausforderungen: von der Anlage der Baum- und Strauchreihen bis zu ihrer Pflege und Bewirtschaftung.
Agroforstsysteme können die Landwirtschaft ökologisch aufwerten und widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels machen.

Viele Fragen aus dem Publikum
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Die Besucherinnen und Besucher fragten unter anderem nach geeigneten Gehölzen, dem Pflegeaufwand sowie den aktuellen Fördermöglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen. Dr. Weckenbrock beantwortete die Fragen anschaulich und praxisnah.
Der Gladbacherhof ist als langfristig angelegtes Forschungsprojekt konzipiert. Über viele Jahre sollen die ökologischen Wirkungen und wirtschaftlichen Kennzahlen der drei Systeme erfasst, ausgewertet und miteinander verglichen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse können wichtige Hinweise für eine naturverträgliche und zukunftsfähige Landwirtschaft liefern.
Gemeinsam für eine vielfältige Landschaft
Der Vortragsabend hat gezeigt, wie groß das Interesse an nachhaltigen Landnutzungskonzepten in der Region ist. Die drei veranstaltenden Vereine freuen sich über den gelungenen Austausch zwischen Wissenschaft, Landwirtschaft, Naturschutz und interessierter Öffentlichkeit.
Weitere Informationen zum Agroforst-Projekt am Gladbacherhof gibt es auf der Website der Justus-Liebig-Universität Gießen:
Agroforst-Projekt der Universität Gießen