
Am 8. August 2026 führte uns eine besondere Exkursion in eines der letzten ungestörten Feuchtgebiete des Gebirgsodenwaldes: das Niedermoor „Im Atzenrod“. Eingebettet in die Landschaft bei Beedenkirchen bietet dieses Moor auf rund 6 Hektar Fläche nicht nur seltenen Pflanzenarten einen Lebensraum, sondern ist auch ein aktiver Klimaschutzort durch seine Fähigkeit, Kohlenstoff langfristig zu speichern.
Ein Moor mit Geschichte und Zukunft
Das Niedermoor Atzenrod gehört zur NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe und zählt zu den wenigen verbliebenen, nicht entwässerten Mooren in der Region. Unter der Oberfläche liegen Torfschichten von bis zu zwei Metern Mächtigkeit, die über Jahrtausende gewachsen sind und heute wertvollen Lebensraum für spezialisierte Arten bieten.
Neue Wege im Moormanagement: Beweidung mit Wasserbüffeln
Ein zentraler Schwerpunkt der Exkursion war die Vorstellung des neuen Pflegeansatzes: die Beweidung durch Wasserbüffel. Anne Michaeli von der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe erläuterte, wie diese extensive Beweidungsform dazu beiträgt, die offene Moorlandschaft zu erhalten und die Ausbreitung von Gehölzen und konkurrenzstarken Stauden zu verhindern – ohne schwere Maschinen und mit geringer Bodenverdichtung.

Foto oben rechts: Kevin Köttig, Landwirt aus Beedenkirchen, der uns seine Wasserbüffel vorstellt.
Mit dabei war auch Kevin Köttig, Landwirt vom Atzenrod, der die Herde betreut und den Teilnehmenden die Tiere und ihre Rolle im Ökosystem Moor näherbrachte. Die Wasserbüffel beweiden die Flächen gezielt, fördern die Biodiversität und tragen so zu einem naturnahen und ressourcenschonenden Management bei.
Wasserbüffel im Seggenmoor












Wasserbüffel eignen sich im Gegensatz zu vielen anderen Huftieren besonders gut für die Beweidung sehr nasser und nährstoffarmer Flächen – damit bietet das Seggenmoor ideale Bedingungen. Für den Moorschutz ist es wichtig, die Dominanz der Seggen und Binsen zu verringern, damit sich weitere typische Moorarten wieder ausbreiten können und die Artenvielfalt gestärkt wird.
Die Wasserbüffel schaffen stellenweise auf der Fläche temporäre Kleingewässer, die auch bei der anhaltenden Trockenheit Amphibien und wassergebundenen Insekten Lebensraum bieten. Alte Seggenbulten bleiben bewusst erhalten, aber langfristig wird die Dominanz der Seggen zurückgedrängt.



Moore schützen – für Klima und Artenvielfalt
Moore sind nicht nur Hotspots der biologischen Vielfalt, sondern auch wichtige Verbündete im Klimaschutz. Sie binden CO₂ und speichern es langfristig im Torf. Der Schutz und die Renaturierung von Mooren wie dem Atzenrod sind daher ein zentraler Baustein für den Naturschutz in Hessen.
Die Exkursion bot eine eindrucksvolle Gelegenheit, die Bedeutung dieses Lebensraums hautnah zu erleben und zu verstehen, wie aktiver Naturschutz in der Praxis aussieht.
Sumpf-Blutauge

Besonders hervorzuheben ist das größte bekannte Vorkommen des stark gefährdeten Sumpf-Blutauges (Otanthus paludosus) im Odenwald – ein botanisches Juwel, das durch gezielte Pflegemaßnahmen erhalten werden kann.












Kommentarfunktion geschlossen