Sep 152014
 

NABU freut sich über die Rückkehr des Bibers nach Westhessen

Biberspuren- gefällte Pappeln

Foto: NABU/Tino Westphal – Biberspuren- gefällte Pappeln an den Reinheimer Teichen

In den letzten Wochen wurden dem NABU Hessen vermehrt Biber-Sichtungen an der Lahn zwischen Lahnau und Solms gemeldet. „Es handelt sich wahrscheinlich um ein vagabundierendes Männchen, das aus der Wetterau kommend die Lahn in Augenschein nimmt“, erklärt Biber-Experte Mark Harthun. Die Biber-Sichtungen bestätigen Fraßspur-Funde aus dem Frühjahr. Die Naturschützer hatten vom Biber angefressene Weiden in der Lahnaue gefunden. Harthun hofft nun darauf, dass sich bald das erste Biberpärchen an der Lahn niederlässt.

Biber verfügen über die Fähigkeit, mit den Bau von Dämmen und dem Aufstauen von Bächen Bachauen zu naturnahen Feuchtgebieten umzugestalten. „Der Biber renaturiert uns die Gewässer billiger als jede Firma, wenn man ihn nur lässt“, so Harthun. Aus den 18 Bibern, die in den Jahren 1987 und 1988 im hessischen Spessart angesiedelt wurden, sind inzwischen über 700 Tiere geworden. Rund 350 davon leben in den hessischen Landkreisen Main-Kinzig, Darmstadt-Dieburg, Fulda, Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder, Offenbach, Wetterau, Gießen und nun auch Lahn-Dill.

Um die Rückkehr des Bibers zu unterstützen und seltene Tiere und Pflanzen der Auen besser zu schützen, fordert der NABU Hessen ein Landesprogramm zur Einrichtung von Gewässer-Entwicklungsstreifen an den Fließgewässern. Nur so könnten auch die europäischen Verpflichtungen zu sauberen, naturnahen Gewässern erreicht werden. Gleichzeitig dienten diese unbewirtschafteten Uferstreifen dem Hochwasser- und Erosionsschutz. „Es ist Hilfe zur Selbsthilfe“, so Harthun, wenn die Gewässer sich weitgehend selbst, ohne große Bagger-Maßnahmen wieder natürlich entwickeln können. Nach kleinen Initialaktionen wie der Öffnung der Uferverbauung oder dem Einbringen von Baumstämmen führten dann Uferabbrüche zur Anhebung der Gewässersohle, zur Abflachung und Verbreiterung der Gewässer. Auch der Biber könne dann leichter als Landschaftsg

estalter tätig werden. Gleichzeitig entstehen Bach-Verzweigungen oder ein längerer, kurviger Verlauf. So fließe das Wasser langsamer ab, was die Hochwassergefahr verringere. Breite Gehölzstreifen würden den Eintrag von Dünger und Spritzgiften abpuffern und für sauberes Wasser sorgen. „Breitwasser statt Hochwasser“ sei die Antwort auf die Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre, so Harthun.