Nov 302008
 

zwischen den Gemeindeteilen Seeheim und Jugenheim.

Das begleitende Foto zeigt eine Sicht auf heute noch getrennten Ortsteile Seeheim und Jugenheim, die bald der Vergangenheit angehören könnte: Die Gemeinde plant einen kompletten neuen Ortsteil von bis zu 5 Hektar mit 600 Einwohnern, der die Baulücke zwischen den Ortskernen vollständig schließt. Eine Häuserreihe würde die Aussicht vom rechten bis zum linken Bildrand füllen.
Der Name „In der Tränk“ kommt natürlich nicht von ungefähr: im Gebiet war früher tatsächlich ein Teich und ein Starkregen-Ereignis wie im letzten Jahr in Seeheim kann den neuen Bauherren böse Überraschungen bereiten. Aber zum Thema Nachhaltigkeit kommen wir gleich.In der politischen Auseinandersetzung um das Projekt werden von den Befürwortern die üblichen Argumente eingebracht- Arbeitsplätze, Ortsentwicklung, Steuervorteile, familienfreundliche Gemeinde etc.

Die Gegenseite weist auf schwerwiegende ökonomische Nachteile für die Gemeinde und Bürger von Seeheim-Jugenheim, eine Verschlechterung des Luftaustausches von Kalt- und Frischluft und eine Beeinträchtigung der Naherholungsfunktion.

Von keiner Seite bezweifelt wird der kurzfristige ökonomische Vorteil der Projektes für eine verschwindend kleine Minderheit.
Nicht zu bezweifeln ist auch, dass mit dem Großprojekt ein massiver Flächenverbrauch einhergeht, der zu Lasten der Umwelt geht.

Es gibt den Ansatz, den „Verbrauch“ von Umwelt zu quantifizieren: ein Preisetikett an jeden einzelnen Baum zu kleben oder das das Wohlbefinden der Einwohner und Besucher zu messen, um dann irgendwelche Umwelt-politischen Ausgleichsmaßmnahmen ins Auge zu fassen.

Wir ignorieren gern die Tatsache, dass da nur eine Umwelt ist und wir in der Tat ununterbrochen Umwelt vernichten. Dazu kommt die bei einigen Gemeinden des näheren Umfeldes beliebte Methode des Ausgleichsflächen-Verschiebens: das gerade neu als Ausgleichsmaßnahme geschaffene Super-Streuobstwiesen-Biotop ist das Baugelände von morgen.

Ignoranz gegenüber unwiederbringlichen Verlusten der Artenvielfalt und Lebensqualität für die Bürger und Besucher verbunden mit Gier nach kurzfristigem Gewinn werden belohnt. Wir erleben ein System der mangelnde Begünstigung nachhaltigen Handelns.

Dieses Schema kann nur durchbrochen werden durch persönliches Engagement- weisen wir einen konservativen Politiker oder den Konservativen in uns selbst darauf hin, dass es nicht konservativeres gibt, als den langfristigen Erhalt von lebenswerter Umwelt für uns selbst und unsere Kinder. Zeigen wir dem Liberalen, dass wir Freiheit, Selbstständigkeit, Individualität nicht mehr leben können, wenn wir uns mit Beton umgeben. Erinnern wir den Sozialdemokraten, dass für unsere Kinder und die wachsende Zahl älterer Mitbürger ein Stück Natur direkt vor der Haustür immer wichtiger wird.

Der andauernde massive Flächenverbrauch durch Großprojekte wie Gewerbegebiete und Neubausiedlungen auf der grünen Wiese muss endlich aufhören. Nachhaltige Umweltpolitik muss endlich gelebt und zur Grundlage jeder politischen Entscheidung werden. Die Naturschutzverbände einschließlich des NABU beziehen hier klar Position.

Vergessen wir nicht den unbezahlbaren Ausblick auf unsere grüne Bergstraße. Und geniessen ihn.

Tino Westphal, November 2008