Jan 312024
 

Eine interessante, aber durchaus auch verzichtbare Erfahrung

Die Dramaturgie passte: Inmitten in einer finsteren, stürmischen Januarnacht kam es in Bickenbach zu einer Begegnung der etwas schaurigen Art. Auslöser war der Griff nach einem Handtuch, der bei einem schlaftrunkenen Menschen einen heftigen Schmerz im linken Mittelfinger auslöste. Schlagartig hellwach war der hinterhältige Heckenschütze schnell entdeckt – ein achtbeiniges Spinnentier von beachtlicher Größe konnte aus dem Handtuch geschüttelt und in einem Glas festgesetzt werden.

Spinnen haben keinen Stachel und können demnach auch nicht stechen, auch wenn es sich zunächst so anfühlen mag.

Foto: NABU/Willi Benz – Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana)

Aber sie haben Kieferklauen, mit denen sie beißen und ihr Gift injizieren können. Normalerweise ist die menschliche Haut zu dick für dieses Beißwerkzeug, aber bei der dünneren Haut auf der Oberseite der Finger kann es offensichtlich doch klappen.

Nicht nur der Spinnenbiss, auch die sofort einsetzende Schwellung ähnelten stark einem Wespenstich. Dank eines Kühlbeutels aus dem Eisfach waren der Schmerz (der schnell in einen starken Juckreiz überging) und die Schwellung nach einer halben Stunde Kühlzeit wieder weitgehend verschwunden. Nach einer weiteren halben Stunde Zuwartens, ob sich eventuell noch eine allergische Reaktion zeigen könnte, begab sich das Bissopfer wieder zur Nachtruhe und konnte am folgenden Morgen dann von einem erstaunlich tiefen und erholsamen Schlaf berichten (Spinnengift – vielleicht ein Ansatz für die Schlafmittelforschung?).

Anhand eines Fotos konnte der Spinnenexperte Erik Opper vom NABU Rhein-Main den nächtlichen Beißer eindeutig als weibliche Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) identifizieren. Erik konnte beruhigen, dass das Gift dieser Spinne für den Menschen völlig ungefährlich ist und es keine Begründung für eine Tötung dieser Krabbler gibt. Viele Spinnenarten suchen in den kalten Monaten die Wärme menschlicher Behausung, stellen aber durchweg keine Gefahr für ihre Vermieter dar. Bisse sind äußerst selten und im Fall der Fälle dann völlig harmlos.

Was mit Schrecken begann, endete für alle Beteilgte mit Happy End: Die Spinne wurde auf den Namen „Nosferanta“ getauft und ist den gut temperierten Keller umgezogen. Auf ein Wiedersehen werden beide Seiten allerdings keinen großen Wert legen.

Videoclip: https://youtu.be/dfUkRrKfr6o?si=1A0V9FXP_hC8I-1t

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