Dez 122020
 

Offener Brief der Naturschutzverbände BUND und NABU an Netto Marken-Discount AG & Co. KG

Offener Brief: Geplante Netto-Filiale in der Quelllache bei Hähnlein

Sehr geehrte Damen und Herren,

dem Bügerinformationssystem der Gemeinde Alsbach-Hähnlein entnehmen wir einen Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans „An der Quelllache 1-5“, der offenbar Ihr Unternehmen als Investor auf einer Fläche im Außenbereich vorsieht: „Ziel ist die Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes der Firma Netto mit etwa 900 qm Verkaufsfläche inkl. Backshop.“

Die örtlichen Naturschutzverbände des NABU und BUND hatten in einem gemeinsamen Erklärung vorab ihre Bedenken gegen das Vorhaben geäußert- denn die ungebremste Flächenversiegelung im Außenbereich hat gravierendem und bleibenden Einfluss auf Artenvielfalt und Klima.  

Siehe https://nabu-seeheim.de/noch-ein-supermarkt-auf-der-gruenen-wiese/

Nun sehen wir neben der Kommunalpolitik ebenso Ihr Unternehmen in der Verantwortung, einen Beitrag zu einem Umbau zu einer nachhaltigen Marktwirtschaft zu leisten.

Sie betonen in Ihrem Nachhaltigkeitsbericht 2017-2018, dass Nachhaltigkeit im Lebensmitteleinzelhandel „so vielschichtig und zugleich von zentraler Bedeutung für die Kunden“ ist. Sie arbeiten mit WWF zusammen und fordern einen Entwaldungsstopp der Regenwälder in Brasilien und erläutern Ihre Fortschritte beim nachhaltigeren Neu- und Umbau von Filialen. Leider aber gehen Sie in Ihrem Bericht auf die Problematik des Flächenverbrauchs im Heimatland Ihres Unternehmens nicht weiter ein.

Ihnen ist sicher bekannt, dass die heute vorhandenen gesetzlichen Vorgaben bei einer Bebauung im Außenbereich weder den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt verhindern können, noch wirksam dem der Klimakrise entgegenwirken.

So bewirken sogenannte Ausgleichsmaßnahmen bei Bauvorhaben faktisch immer einen Netto-Verlust für Natur- und Klima.

Ein konsequentes Klimaschutz- bzw. Umweltschutzkonzept eines verantwortlich und wirtschaftlich nachhaltig wirkenden Unternehmens müsste entsprechend- wenn man ausnahmsweise im Außenbereich bauen muss – einen adäquaten Rückbau von Infrastruktur an anderer Stelle im Außenbereich vorsehen. Denn nur so könnte ein Flächenverbrauchsziel mit Netto-Null Umweltverbrauch und vertretbarem Klimaeinfluss langfristig aussehen.

Wir möchten Ihnen gern Gelegenheit geben, Ihre Position in Bezug auf das konkrete Bauvorhaben darzustellen.

  • Gibt es ein Netto-Null Ziel beim Flächenverbrauch im Außenbereich in Ihrem Unternehmen und bis wann soll das erreicht werden?
  • Beruht Ihre Projektkalkulation für den gewählten Standort in der Quelllache auf einer Nachhaltigkeitsbewertung in Bezug auf Klima und Umwelt und wie sieht diese aus?
  • Für den Fall der Umsetzung des Vorhabens: welche konkreten – über die gesetzlichen Vorgaben für Ausgleichsmaßnahmen hinausgehenden – Pläne haben Sie, um sicherzustellen, dass für das geplante Vorhaben der Netto-Bilanz an Klima und Artenverlust null oder sogar positiv ist? Planen Sie ggf. den Rückbau von Infrastruktur anderenorts?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort

Mit freundlichem Gruß

Im Auftrag des Vorstandes der NABU Ortsgruppe Seeheim-Jugenheim (inkl. Bickenbach & Alsbach-Hähnlein)

Tino Westphal      

(Vorsitzender)

Im Auftrag des Vorstandes der BUND Ortsgruppe Seeheim-Jugenheim (inkl. Bickenbach, Alsbach-Hähnlein, Mühltal, Fischbachtal & Modautal)

Michaela Marx

(Vorsitzende)

Foto: NABU-Archiv – An Stelle eines ausgedienten Getreidespeichers soll eine neue Netto-Filiale in der Quelllache zwischen Alsbach und Sandwiese entstehen

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