Feb 042021
 

Die Klimakrise und das fortschreitende Artensterben sind die großen politischen Herausforderungen unserer Zeit. Nicht nur, aber auch auf Gemeindeebene entscheidet sich, ob der Umbau zu einer mehr naturverträglichen Lebensweise gelingt.

Darum hat der NABU alle in seinem Wirkungsbereich antretenden Parteien zu verschiedenen Themen befragt, die uns besonders am Herzen liegen. Die Antworten haben wir unten so wiedergegeben, wie wir sie von den Parteien erhalten haben. Wir legen alle Bürgern und Bürgerinnen ans Herz, sich auf diese Weise über die Positionen der Partien zu den Umwelt- und Naturschutzthemen  zu informieren und sich zu überlegen, welche Rolle das für ihre Wahlentscheidung spielt.

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die Antworten der Parteien aus Bickenbach zu den von uns vorgelegten Fragen vor.

Wie möchten Sie lokal zur Eindämmung der Klimakrise beitragen? Wie kann unsere Gemeinde nachhaltiger werden?

Die Einhaltung des 1,5°-Ziels des Pariser Klima-Abkommens ist zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen außerordentlich wichtig, aber aktuell stark gefährdet. Wo sehen Sie konkrete Potenziale den CO2-Ausstoß in der Gemeinde zu verringern? Wie kann die Gemeinde zur Verkehrs- und Energiewende beitragen?

SPD

Wir sehen drei Themenfelder, in der die Gemeinde Bickenbach zur CO2-Einsparung und Verkehrswende beitragen sollte:
1. Direkte Maßnahmen
2. Indirekte Maßnahmen
3. Lenkungs- und Steuerungswirkung

  1. Direkte Maßnahmen

Die Gemeinde hat im Vergleich zu den Sparten Industrie und Verkehr im Gesamtkontext gesehen nur verhältnismäßig geringe eigene Möglichkeiten, den CO2-Austoß direkt zu reduzieren. Dieses Potential zu nutzen, hat aber eine wichtige Vorbildfunktion, so dass es unerlässlich ist, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Hierbei ist neben der bereits erfolgten Umstellung der Bickenbacher Straßenbeleuchtung auf die energiesparende LED-Technik, der Verbesserung der Gebäudewärmedämmungen in Verbindung mit dem Einsatz einer energieeffizienten Heizungsanlage im Bürgerhaus auch der Einsatz energiesparender Maschinen und Baufahrzeuge im gemeindlichen Fuhrpark zu nennen. Diese Prüfung, ob solche Maßnahmen umsetzbar sind, muss unserer Ansicht nach bei Neubeschaffungen bzw. Grundsanierungen obligatorisch sein. Auch die Umstellung des Strombezuges auf 100 % Ökostrom ist ein Schritt in diese Richtung. Als Klimakommune in Hessen werden wir hierbei alle Fördermöglichkeiten ausschöpfen.

Die Anpassung der Verkehrsinfrastruktur an die geänderten Anforderungen ist eine zentrale Aufgabe, mit der wir uns schon über Jahre hinweg beschäftigen. Leider bremsen bisher politische Einflüsse in der Gemeindevertretung dieses Vorhaben stark aus, so dass die im ersten Schritt notwendige ganzheitliche Betrachtung leider bisher nicht beschlossen wurde. Hierzu gehört eine ganzheitliche Analyse und Optimierung des Verkehrsflusses aber auch des öffentlichen Parkraumes. Ein geordneter ruhender Verkehr schafft zunächst einmal die Basis, um den fließenden Verkehr sowohl für motorisierte Verkehrsteilnehmer als auch für Fußgänger und Radfahrer überhaupt erst ordnen zu können. Dies ist bei den derzeit so massiv vollgeparkten Straßen in Bickenbach schlichtweg unmöglich. Ein geordneter fließender Verkehr reduziert die notwendigen Brems- und Wiederanfahrvorgänge, so dass neben einem deutlichen Gewinn an Verkehrssicherheit für motorisierte und nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer auch der Treibstoffverbrauch reduziert wird. Der geringere Abgasausstoß und insbesondere die geringere Bremsstaubproduktion verbessern spürbar die Luftqualität, der geringere Abrieb der Reifen reduziert die Emission von Nano-Partikeln. Die umweltfreundlichsten und gesündesten Arten der Fortbewegung sind Laufen und Fahrradfahren. Hierzu ist die Schaffung und Instandhaltung der entsprechenden Wege, aber auch der nötigen Nebenanlagen wie sichere Fahrradabstellplätze, Schutzstreifen oder Querungshilfen nötig. In diesem Zusammenhang ist die Anpassung der gemeindlichen Fahrradwege für den Anschluss an den geplanten Radschnellweg Frankfurt-Heidelberg als zentrales Thema zu nennen.

An diesen Zielen arbeitet die SPD-Bickenbach schon über Jahre hinweg und wird diese Themen auch – hoffentlich mit den nötigen Mehrheiten – verstärkt voranbringen.

  1. Indirekte Maßnahmen

Auf indirektem Wege kann die Gemeinde im Rahmen der Beschaffung von Waren und Gütern den Energieeinsatz im Lebenszyklus dieser Produkte beachten und hier gezielt Produkte mit geringem Energieeinsatz für Herstellung, Transport, Nutzung und späterem Recycling einsetzen. Der Anfang darin liegt bereits im verstärkten Einsatz regionaler Produkte und Dienstleistungen, um den CO2-Austoß im Transportbereich erheblich zu reduzieren.

Die fortwährende Instandhaltung von Infrastrukturanlagen wie zum Beispiel der gemeindlichen Straßen verlängert deren Lebensdauer, so dass Energie- und Kostenintensive Erneuerungsmaßnahmen seltener nötig sind und somit auf indirektem Wege der damit einhergehende CO2-Austoß minimiert wird.

Durch die aktive Nutzung und Förderung digitaler Strukturen lassen sich – trotz der damit in Verbindung stehenden energieintensiven Serveranlagen – erhebliche Energieeinsparungen bewirken. Diese zeigen sich vorrangig durch ein geringeres Transport- und Berufspendleraufkommen. Hierbei ist konkret sowohl die Stärkung der papier- und fahrweglosen Verwaltungsvorgänge durch die Einführung von Onlineverfahren, als auch der verstärkte Ersatz von Dienstreisen, Besprechungen und Sitzungen durch entsprechende Video-und Datenlösungen zu nennen.

Der von Markus Hennemann initiierte Bau einer flächendeckenden, bezahlbaren Glasfaserinfrastruktur durch die die GGEW ist hierfür die Basis. Gleichzeitig schafft diese Infrastruktur für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit zur Nutzung von Heimarbeitslösungen und somit neben der entsprechenden Energieeinsparung auch die nachhaltige Entlastung der gemeindlichen und überregionalen Verkehrsinfrastrukturen.

  1. Lenkungs- und Steuerungswirkung

Neben dem eigenen Handeln zur direkten und indirekten Reduzierung des CO2-Austoßes liegt ein großes Potential der Gemeinde in der Lenkungs- und Steuerwirkung insbesondere bei der Aufstellung von Bebauungsplänen.
Hierzu zählt beispielsweise die Verpflichtung zur Nutzung einer effizienten Nahwärmeinfrastruktur bei neuen Quartiersentwicklungen.

Die Anpassung neuer Bebauungspläne an sommerliche Hitzeperioden durch die Ausweisung und Festsetzung von Kaltluftentwicklungsgebieten, kühlenden Grünanlagen, hitzestrahlungsreflektierender Gebäudehüllen und Hitzeschutzmaßnahmen an den Fenstern reduziert zum Beispiel den Energieverbrauch für die Gebäudeklimatisierung.

CDU

Auf kommunaler Ebene sind es vor allem ganz konkrete Vorhaben und Maßnahmen, mit denen wir zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit beitragen können.

Die Umstellung der Straßenbeleuchtung in Bickenbach auf LED-Lampen haben wir bereits erfolgreich umgesetzt. Bei der Sanierung gemeindlicher Gebäude ist auf energetische Standards zum energieeffizienten und nachhaltigen Bauen zu achten; das gilt für Neubauten entsprechend. Bei Sanierungen und Neubauten gemeindlicher Gebäude ist zudem der Einsatz regenerativer Energien zu prüfen.

Auch bei der Aufstellung von Bebauungsplänen wollen wir die Nutzung regenerativer Energien stärker berücksichtigen.

Die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, etwa über Hofläden und mobile Verkaufsstände, wollen wir stärken. Denn gerade hier kann man im Bereich Nachhaltigkeit und Qualität viel erreichen. Kurze Wege und frische Produkte: Das ist für uns nachhaltig und ressourcenschonend.

In der Verkehrspolitik bzw. bei der Gestaltung des fließenden und ruhenden Verkehrs in Bickenbach wollen wir neue Mobilitätsangebote schaffen und den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) stärken, z.B. durch die Wiedereinsetzung der Busdirektverbindung zwischen Bensheim und Bickenbach, die generelle Verbesserung der ÖPNV-Verbindungen über Landkreis- und Nahverkehrsverbundsgrenzen hinweg oder auch den Ausbau und die Weiterentwicklung der nächtlichen Busverbindungen nach Bickenbach am Wochenende. Eine Stärkung öffentlicher Verkehrsmittel wollen wir auch durch ein flexibleres Anruf-Sammel-Taxi erreichen. Das vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) für 2021 auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg angekündigte und per App buchbare sog. „On-Demand-Shuttle“ für die erste und letzte Meile zur nächsten ÖPNV-Haltestelle kann hierfür einen vielversprechenden Ansatz bieten. Wir unterstützen zudem die Anbindung Bickenbachs an überregionale Rad(schnell)wege.

Des Weiteren setzen wir uns für die Förderung von E-Mobilitätsangeboten in Bickenbach ein – durch die Schaffung von Flächen für leistungsstarke E-Schnellladesäulen und eCar-Sharing-Angebote unter angemessener Beteiligung der jeweiligen Anbieter

KOMM,A

Wir werden nach der Kommunalwahl auf die Umsetzung des von uns als Antrag bereits eingebrachten ‚Kommunalen Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsaktionsplans‘ drängen. Dieser Plan liegt seit geraumer Zeit auf dem Tisch, und geht u.a. auf eine Initiative der Gemeinde Alsbach-Hähnlein zurück. In diesem Zusammenhang wollen wir in der örtlichen Bauleitplanung den Natur- und Umweltschutz als vorrangiges Prinzip verankern, die gemeindlichen Gebäude energetisch sanieren, die Photovoltaik und die thermische Solarenergienutzung ausbauen. Aber nicht nur die Gemeinde kann beispielhaft zur CO2-Reduzierung beitragen. Alle Menschen können auch ganz persönlich einen Beitrag zu einer Verkehrs- und Energiewende leisten, indem sie ihre individuellen Verhaltensweisen reflektieren und verändern. Deshalb wollen wir dieses Thema als Aufhänger für einen breit angelegten Dialog mit den Bürger*innen in Bickenbach nutzen. Aus den vorliegenden Wahlprogrammen der anderen Parteien in Bickenbach geht klar hervor, dass das Pariser Klima-Abkommen und dessen Auswirkungen bei allen inzwischen eine wichtige Rolle spielt. Das stimmt uns zuversichtlich, die notwendigen Schritte jetzt in der angemessenen Geschwindigkeit umsetzen zu können.

FDP

Hierzu haben wir ein Projekt „Vorbeugende Wartung und Instandhaltung von Einrichtungen und Liegenschaften der Gemeinde Bickenbach“ initiiert. Dieses dient dazu, die genannten Objekte sinnvoll am Bedarf orientiert zu nutzen, unnötigen Neubau und Flächenverbrauch zu minimieren und die Ressourcen zu schonen. Viele der Einrichtungen werden nicht optimal genutzt und tragen dadurch zu unnötigem Verbrauch von Ressourcen bei. Dazu ein Auszug aus unseren Unterlagen des Antrags an das Gemeindeparlament:

Wie wollen Sie den fortschreitenden Flächenfraß eindämmen?

Der Flächenverbrauch durch Baumaßnahmen ist eine der größten Bedrohungen für unsere Natur und kann durch sogenannte „Ausgleichsmaßnahmen“ nicht abgemildert werden. Eine weitere Vergrößerung der Verkehrs- und Siedlungsfläche durch neue Baugebiete und Bauvorhaben im Außenbereich wäre aus Naturschutzsicht katastrophal. Als primäre Planungsinstanz haben hier die Gemeinden eine besondere Verantwortung. Wie möchten Sie dieser gerecht werden?

SPD

Die Gemeinde Bickenbach wird realistisch gesehen nicht vollständig auf die Ausweisung neuer Baugebiete für Gewerbe und Wohnnutzung im Ortsrandbereich verzichten können. Dies liegt an der derzeit sehr hohen Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum aber auch nach geeigneten Grundstücken zur Entwicklung von Gewerbe.

Insbesondere für die Ansiedlung von Gewerbe ist die Schaffung von größeren zusammenhängenden Flächen notwendig, um expandierenden Firmen die Möglichkeit zu geben, die Flächen auf ihre Betriebe zugeschnitten aufzubauen. Diese Flächen müssen neben einer guten Verkehrsanbindung auch einen entsprechenden Abstand zur Wohnbebauung aufweisen, um störende gegenseitige Beeinflussung zu vermeiden. Daher können diese Flächen nicht in die vorhandene, von Wohnnutzung geprägte, Siedlungsstruktur eingeflochten werden. In diesem Bereich muss aber weiterhin darauf hingewirkt werden, dass brachliegende Gewerbegrundstücke möglichst zügig einer Nachnutzung zugeführt werden, um diese Flächen nicht ungenutzt zu lassen.

Etwas anders sieht es im Bereich neuer Wohngebietsausweisungen aus. Hier ist eine zielgerichtete, innerörtliche Nachverdichtung zur Minimierung des Flächenverbrauchs unerlässlich. Wir wissen, dass die Nachverdichtung nicht immer bei allen auf Begeisterung stößt. Es ist selbstverständlich politisch angenehmer, eine stark aufgelockerte Bebauung in innerörtlich günstig gelegener Lage zu fordern, als sich öffentlich für eine Nachverdichtung einzusetzen. Wir sehen hier jedoch die Verantwortung aller handelnden Akteure. Schließlich ist die Nachverdichtung die einzige Möglichkeit, dem Siedlungsdruck gerecht zu werden und gleichzeitig den Flächenverbrauch auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen. Hierfür setzen wir uns schon seit Jahren aktiv ein.

CDU

Dort, wo es sinnvoll ist, ist eine behutsame Nachverdichtung der Versiegelung von neuen Flächen vorzuziehen.

Das bereits ausgewiesene Baugebiet „Gärtnerweg/Bachgewann“ ist zeitnah und schrittweise zu entwickeln. Die Ausweisung weiterer Baugebiete steht aus unserer Sicht nicht an. Die Gewerbeflächen zwischen Bahn und Autobahn wollen wir gleichwohl arrondieren und moderat ausbauen.

KOMM,A

Wir teilen die Einschätzung, dass der Flächenverbrauch durch Baumaßnahmen eine der größten Bedrohungen für die Natur ist, und verfolgen konsequent das Ziel, weiteren Flächenverbrauch auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen. Schwierig ist die Definition dessen, was ′unbedingt notwendig’ ist.

Aktuell gibt es eine große Auseinandersetzung in der Gemeindevertretung zur Bauleitplanung der zur sogenannten ′Neuen Mitte’. Hier fordert eine Mehrheit in der Gemeindevertretung eine sehr hohe Verdichtung, die wir so extrem nicht teilen. Das Zusammen-Leben auch im Ortszentrum muss erträglich bleiben. Die Bickenbacher Gemeindevertretung hat es über die Jahre seit 2016 stetig abgelehnt, sich selbst grundsätzlich mit Ortsentwicklungsplanung z. B. durch Vereinbarung eines ′Leitbildes’ auseinanderzusetzen.

Die Auseinandersetzung über Flächenverbrauch wird geprägt von einer anderen verantwortungsvollen Aufgabe. Gleichbleibend gute Lebens- und Arbeitsbedingungen und -verhältnisse im ganzen Land herzustellen und die Konzentrationen auf prosperierende Gebiete zu entschärfen, ist eine der grundlegenden Erwartungen an den Staat. Der wollen und müssen wir gerecht werden, die Entwicklung der Baulandpreise spricht eine deutliche Sprache. Unsere Verantwortung besteht vor allem darin, beide Aspekte in einer dynamischen Balance zu halten, und die grundlegende Bedeutung des Umwelt- und Naturschutzes dabei nachdrücklich deutlich zu machen. Der Dialog mit der Bürgerschaft ist dafür ein wichtiges Instrument.

FDP

Der Spagat zwischen Wirtschaft und Natur ist sehr schwierig und im internationalen Vergleich sicher noch schwieriger zu gestalten. Die Notwendig des Flächenschutzes und damit des Naturschutzes besteht. Naturschutz ist jedoch nur in einer funktionieren Wirtschaft möglich, nur so sind die notwendigen finanziellen Mittel vorhanden.

  • Den globalen Wettbewerb auf eine gleiche Basis für alle Unternehmen stellen
  • Weltweite Ungleichheiten im Umwelt- und Ressourcenschutz beenden
  • Zukunftsinvestitionen z.B. auf Nachhaltigkeit prüfen und bewerten z.B. Elektromobilität auf die Verfügbarkeit von Silicium und den Umweltgerechten Abbau prüfen!
  • Bebauungspläne für Gewerbe- und private Gebäude prüfen. Bebauungsdichte und Nutzung vorhandener Brachflächen innerhalb von bebauten Bereichen prüfen.
  • Die stark voranschreitende Zentralisierung von Gewerbeunternehmen umwandeln, hin zu regionalen Anbietern. Warum kommt unsere Milch aus Südbayern? Einflüsse auf Lohn, Ertrag und geringerer Bedarf an Logistikflächen, Straßen usw. sprechen für andere regional geprägte Lösungen. Die Wirtschaftsleistung wird eher gestärkt durch Regionalität, vernünftige Preise für gute Produkte verteilen alles, sowohl die Lasten wie auch die Erträge gerechter.

Hierzu haben wir einen Antrag vorbereitet zu welchem Sie einiges in unsere Broschüre „Der Sandhase“ finden. Diese stellen wir Ihnen nach Fertigstellung zu. Einen Auszug erhalten Sie bereits mit diesem Schreiben.

Auszug aus dem Sandhasen 2021:

Die Industrie, muss die Umweltbelastung drastisch reduzieren. Dies betrifft nicht nur die Produkte selbst, sondern auch die Produktion in den Werken. Auch hier ist Augenmaß und ein gezielter sozialverträglicher Umbau das einzig richtige Mittel! Unser Wohlstand hängt an einer funktionierenden Wirtschaft, diese so umzubauen, dass der Spagat zwischen sozialer Verantwortung und dem Erhalt unserer Umwelt gelingt ist die große Aufgabe, diese ist nur gemeinsam zu lösen.

Den Standort Deutschland zu schwächen anstatt diesen durch sachorientierte Politik zu stärken führt nicht zum gewünschten Ergebnis der Vollbeschäftigung und einer nachhaltigen, das Klima schonenden Entwicklung.

  • Niedriglohnstandorte in Osteuropa, Asien usw. stellen oftmals die notwendigen Gewerbeflächen, kostenlos oder zu niedrigsten Preisen zur Verfügung.
  • Genehmigungsverfahren sind deutlich kürzer, geringe Unternehmensbesteuerung
  • Einfache Prozesse können mit niedrigsten Löhnen umgesetzt werden
  • Umweltauflagen werden nicht beachtet und soziale Verpflichtungen werden ignoriert

Kein fairer Wettbewerb im internationalen Vergleich!

  • Standorte im Inland sind massiv unter Druck, eine Umsetzung der Auflagen muss auch für Standorte außerhalb Deutschlands umgesetzt werden!
  • Ausbildung muss über alle Generationen nachhaltig erfolgen
  • Unternehmensbesteuerung fairer gestalten, nicht nur im internationalen Vergleich, sondern auch auf die Standorte (Steuerflucht) und Nachfolge in Familienunternehmen bezogen.
  • Infrastruktur und Digitalisierung schnell umsetzen
  • Lohnkosten bei näherer Betrachtung oft nicht an erster Stelle!

Um Missverständnissen vorzubeugen: Dies alles nicht zu Lasten von Mensch und Umwelt, die soziale Verantwortung und die Verantwortung für unsere Umwelt muss umgesetzt werden!

Welche Maßnahmen planen Sie, um natürliche Lebensräume und Artenvielfalt in der Gemeinde und auf gemeindeeigenem Land zu fördern?

Der Verlust von Artenvielfalt schreitet rasend voran, wir beobachten in den letzten Jahren den Verlust immer weiterer Arten auf dem Gebiet unserer Gemeinden. Die Gemeinde als Grundstückseigentümer könnte die Artenvielfalt durch geeignete Pflegemaßnahmen oder bei Verpachtungen fördern (siehe: https://www.fairpachten.org/). Wie stehen Sie dazu?

SPD

Die Gemeinde Bickenbach hat lediglich geringe Flächen, die einer landwirtschaftlichen Verpachtung zugeführt sind. Die meisten gemeindlichen Flächen im Außenbereich sind Wegeparzellen oder Flächen, die bereits naturnah bewirtschaftet oder der natürlichen Selbstentwicklung überlassen werden.

Wir werden uns stattdessen dafür einsetzen, dass brachliegende gemeindliche Flächen begrünt werden und beispielsweise als Blühwiese genutzt werden, um mehr Rückzugs- und Lebensraum für Insekten, beispielsweise Bienen und Käfer, zu schaffen. Hier unterstützen wir unseren Bürgermeister Markus Hennemann diese Flächen in einem Grünflächenkonzept konsequent auszuweisen.

Jüngstes Projekt ist die großräumige Ausweisung einer großen, geschützten Ausgleichsfläche im Laukenloch. Auch in der Vergangenheit haben wir bereits aktiv Projekte, wie zum Beispiel die Renaturierung der Landbachaue und die Beweidung der hiesigen Sandkieferwälder mit Eseln gegen Verbuschung aktiv unterstützt.

Die Förderung der Artenvielfalt beschränkt sich unserer Meinung nach nicht auf Außengebiete, sondern sollte auch die Siedlungsflächen umfassen. Hierbei hilft das im Rahmen der Novellierung der hessischen Bauordnung geplante Verbot von Schottergärten. Zusätzlich werden wir bei neuen Bebauungsplänen durch die Ausweisung von entsprechenden Schutzgebieten und die Festsetzung entsprechender Gestaltungs- und Pflanzvorgaben eine naturverträgliche Gestaltung herbeiführen.

Die Sensibilisierung der Bevölkerung hilft dabei, dass private Gärten so gestaltet werden, dass sie auch Lebensraum für anspruchsvolle Pflanzen und Tiere bieten. Der Effekt dieser Sensibilisierung ist heute bereits in Bickenbach zu erkennen, so dass wieder vermehrt geschützte Arten wie zum Beispiel Mauersegler, Fledermäuse, aber auch kleinere Vertreter wie zum Beispiel Hirschkäfer innerhalb der Siedlungsgebiete anzutreffen sind.

CDU

Bickenbach verfügt über überdurchschnittlich große Flächen an Vogelschutz- und Naturschutzgebieten. Diese gilt es zu erhalten und vor zu starkem Besucherstrom zu schützen.

Auch und gerade im Bereich Erlensee wollen wir gemeinsam mit allen Beteiligten geeignete Maßnahmen entwickeln, um das Naherholungs- und Freizeitangebot mit dem Schutz natürlicher Lebensräume in Einklang zu bringen.

Die in den letzten Jahrzehnten angepflanzten Hecken und Gehölzstreifen auf Bickenbacher Gemarkung wollen wir pflegen und erhalten.

KOMM,A

Bickenbach ist flächenmäßig eine der kleinsten Gemeinden im Landkreis. Obendrein verfügt die Gemeinde nur noch über wenig eigene Flächen.

Bezüglich des Friedhofs setzen wir uns für deutlich mehr Bäume, Rasengräber, Parkcharakter und standortgerechte Wiese ein. Ersten Maßnahmen sollen noch in diesem Frühjahr umgesetzt werden. Unsere Aufgabe wird es sein, dass es dann nicht einfach zum Stillstand kommt, wie z.B. die Maßnahmen zum Straßenbegleitgrün.

Davon unabhängig unterstützen wir selbstverständlich geeigneten Pflanz- und Pflegemaßnahmen. Vorstellbar wäre es, durch geeignete finanzielle Anreize solche Maßnahmen bei Privatpersonen, Gewerbebetrieben und Vereinen mit eigenen Grundflächen zu fördern. Die gemeindlichen, frei verfügbaren Finanzmittel sind aber – nicht nur Corona-bedingt – sehr klein.

FDP

Hierzu sei auf die Vorbemerkungen im Grundsatz hingewiesen, wir können uns weitere Maßnahmen vorstellen, diese können folgendes beinhalten:

  • Renaturierung von Wasserläufen
  • Förderung von Zisternen zur Schonung von Grundwasserreserven
  • Brachflächen durch Flächenstilllegungspläne – Umbau in Naturnahe Flächen, Förderung durch die Gemeinde
  • Feuchtbiotope als Versickerungsflächen fördern, auch im heimischen Garten und in Gewerbeobjekten

Vieles ist bereits im Kleinen möglich, hierzu ein Auszug aus der „Aktion Bienen und Insekten“:

Unterstützen Sie eine naturnähere Bewirtschaftung des Gemeindewaldes und wie möchten Sie dies umsetzen?

Der Wald erfüllt heute vielfältige Funktionen. Er wird als Naturraum zu Erholung geschätzt, er ist Lieferant für Holz, CO2-Speicher und Schutzraum für Tiere und Pflanzen.

SPD

Der gemeindeeigene Wald erfüllt unserer Ansicht nach vorrangig die drei Hauptfunktionen Erholungsraum für die Bevölkerung, Lebensraum für Flora und Fauna sowie die Regulierung des Mikroklimas.
Hierbei ist die Erholungsfunktion für Spaziergänge und Fahrradtouren auf die Wege in den Wäldern begrenzt, stellt aber insbesondere in Coronazeiten bei geschlossenen Sportstätten eine noch wichtigere Funktion als zu normalen Zeiten dar.

Der Funktion des Waldes als Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist dessen ureigene, natürliche Grundfunktion.
Insbesondere in den, aufgrund des Klimawandels, häufiger, intensiver und langanhaltender auftretenden Hitzephasen ist die Funktion des Waldes als Kaltluftentstehungsgebiet und als Feuchtigkeits- und Temperaturausgleichsgebiet unerlässlich. Diese Funktion steigert auf direktem Wege das Wohlbefinden der in den Siedlungsgebieten lebenden Menschen durch ein ausgeglicheneres Mikroklima.

Der gemeindeeigene Wald wird durch das alle 10 Jahre professionell aufgestellte Forsteinrichtungswerk nachhaltig bewirtschaftet. Oberstes Ziel ist hierbei der Erhalt einer möglichst gesunden Waldstruktur. Hierzu wird von der Gemeinde jedes Jahr deutlich mehr Geld für Schutz- und Wiederaufforstungsmaßnahmen ausgegeben als durch Holzeinschlag erwirtschaftet wird. Davon überzeugen sich die Mitglieder von Gemeindevertretung und Gemeindevorstand regelmäßig bei den jährlichen Waldbegehungen. Ebenso konnte durch den geschickten Einsatz von Fördermaßnahmen durch Bürgermeister Markus Hennemann und Hessenforst eine Aufforstung mit über 18.000 Setzlingen in nur zwei Jahren umgesetzt werden.

Die Ausweisung von Stilllegungsflächen ist bei einer gesunden, klimatisch angepassten Waldstruktur ein gutes Mittel zur ökologischen Aufwertung. Leider hat der hiesige Wald vermehrt mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Hierzu zählt neben langen Trocken-und Hitzestressperioden auch das vermehrte Auftreten starker Stürme, teilweise bereits früh im Jahr und somit noch in der laufenden Vegetationsperiode. Die hier vorherrschenden Sandkieferwälder sind nur bedingt trockenstresstauglich, so dass die Waldflächen anfällig gegen Windbruch und Borkenkäferbefall sind.

Um die weitere Schädigung der Waldstruktur zu begrenzen, ist es unserer Meinung nach erforderlich, Windbruchholz und Borkenholz schnell und gezielt aus dem Wald zu entfernen, um eine Ausbreitung der Schädlinge zu verhindern. Gleichzeitig ist der Ersatz der inzwischen aufgrund des Klimawandels nicht standortgerechten Gehölze durch trockenstressresistentere Gehölze notwendig, um die Waldflächen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten und eine Versteppung dieser Flächen zu verhindern.

Der Ausruf eines Moratoriums für den Holzeinschlag, würde unseren oben beschriebenen Zielen einer Anpassung des Waldes an die veränderten klimatischen Bedingungen und somit einer Sicherung der Waldstrukturen für die kommenden Generationen widersprechen. Holzeinschlag aus rein kommerziellen Gründen lehnen wir selbstverständlich ab.

CDU

Den Bickenbacher Wald wollen wir weiterhin durch geeignete Pflegemaßnahmen für die Bürgerinnen und Bürger als Naherholungsgebiet zugänglich halten. Wichtig ist uns, durch kontinuierliche Aufforstung mit an das Klima angepassten Baumarten eine Verjüngung des Waldes zu erreichen. Durch entsprechenden Ersatz beernteter Waldstücke mit Neuanlagen kann somit durch Rotation die Gesamtwaldfläche nachhaltig stabil gehalten werden. So steht der Wald den Bürgern dauerhaft als Naherholungsgebiet zur Verfügung und die Gemeinde leistet gleichzeitig ihren Beitrag zum Klimaschutz. Naherholung, Waldwirtschaft und Klimaschutz sind für uns kein Widerspruch.

KOMM,A

1. Welche Funktion(en) stehen für Sie im Vordergrund?
2. Was möchte Sie tun, um den Wald zu unterstützen, damit er in Zeiten des Klimawandels diese Funktion(en) weiter erfüllen kann? Unterstützen Sie die Ausweisung von Stilllegungsflächen im Gemeindewald?
3. Wieviel Prozent des Gemeindewaldes würden Sie gerne der Natur überlassen (Wegesicherung ausgenommen)? 4. Halten Sie ein Moratorium für den Holzeinschlag für sinnvoll, um dem geschwächten Wald eine Erholung zu ermöglichen?

zu 1) Für uns stehen Schutz-, Klimaschutz- und Erholungsfunktion des Waldes im Vordergrund.
Demgegenüber betrachten wir den betriebswirtschftlichen Nutzen als Nachrangig, auch wenn die Finanzmittel zum Erhalt des Naturraums Wald erwirtschaftet werden müssen.

zu 2 und 3) Das im Jahr 2017 beschlossene ′Forsteinrichtungswerk 2016′ sollte nach unserer Auffassung zeitnah überarbeitet werden. Die üblichen zehn Jahre bis zur Überarbeitung zu warten, können wir uns klimapolitisch nicht leisten.
Die Ausweisung von Stilllegungsflächen unterstützen wir grundsätzlich. Angesichts der Lage des Gemeindewaldes in unmittelbarer Nähe zu Siedlungen bzw. zu Verkehrswegen muss eine solche Maßnahme konkret sorgfältig geplant werden. Prognosen über mögliche Größen von Stilllegungsflächen – nicht zuletzt auch wegen der zuvor zu klärenden Eigentumsverhältnissen vor Ort – sind uns daher nicht möglich.

zu 4) Grundsätzlich halten wir ein solches Moratorium für sinnvoll. Der Bickenbacher Gemeindewald hat aber nur eine geringe Größe und ist ganz überwiegend durch Kieferbestand geprägt.
Laut dem zuständigen Revierförster hat es in den letzten Jahren im Bickenbacher Gemeindewald nahezu ausschließlich sogenannte ′Kalamitätseinschläge’ gegeben. Die Waldwirtschaftspläne der Gemeinde Bickenbach sind seit Jahren defizitär, d.h. die Gemeinde muss für Aufforstungs- und Pflegemaßnahmen schon aktuell Geld zuschießen.

FDP

Unser Wald und damit eine der wichtigsten Grundlagen unsere Existenz, ist in einem dramatischen Zustand. Einige der bereits getroffenen Aussagen insbesondere zum Umgang mit der Ressource Wasser, ist eine solche Maßnahme.

Unabhängig vom notwendigen Umbau der Energiewirtschaft und der Mobilitätsindustrie gibt es Maßnahmen die wir alle im Rahmen der Möglichkeiten einer Gemeinde umsetzen können. Dazu gehört aber ganz sicher auch die Bereitschaft der Einwohner einer Gemeinde den notwendigen finanziellen Beitrag zu Leisten. Dies gilt natürlich auf für Gewerbe und Industrie und kann sich auch in Auflagen für Wohn- und Gewerbebebauung niederschlagen.

Welche Funktion(en) stehen für Sie im Vordergrund?

  • Rückzugsraum für Fauna und Flora
  • Erholungsraum für die Bürger
  • Wald als Produzent von Sauerstoff, Einleitung von Oberflächenwasser und natürlicher Filter von Schadstoffen
  • Zu definierende Anteilen auch als Rohstofflieferant für nachwachsende Rohstoffe

Was möchte Sie tun, um den Wald zu unterstützen, damit er in Zeiten des Klimawandels diese Funktion(en) weiter erfüllen kann? Unterstützen Sie die Ausweisung von Stilllegungsflächen im Gemeindewald?

  • So viel wie möglich, hierzu wäre für eine zutreffende Ansicht aber eine Bestandsaufnahme und die entsprechende Kenntnis über Flächen deren Nutzung usw. notwendig.
  • Unabhängig wäre eine gezielte Infiltration von Oberflächenwasser in Verbindung mit gezielter Aufforstung und Flächenstilllegung ein zu schnürendes Maßnahmen Paket welches Hilfe bringen kann. Eine ungesteuerte Nutzung für Freizeitaktivitäten wie z.B. Fahrten mit dem E-Bike abseits jedes Weges sollten hier geregelt werden.

Wieviel Prozent des Gemeindewaldes würden Sie gerne der Natur überlassen (Wegesicherung ausgenommen)?

Eine pauschale Aussage hierzu wäre irreführend. Für einen konkreten Wert ist der Wald zu vielseitig. Vorab sind eine Bestandsaufnahme und die entsprechende Kenntnis über Flächen, deren Nutzung und deren Situation, notwendig. Der Wald in Bickenbach befindet sich im alleinigen nicht in gemeindlichen Besitz, sondern ist auch dem Land Hessen zugeordnet.

Hier sind wir mit unserem zuständigen Förster in engem Kontakt.

Fakt ist, dass bereits einige Flächen der Natur überlassen sind. Bei manchen dieser Flächen wäre jedoch eine behutsame Unterstützung durch den Menschen hilfreich.

Wichtig ist uns eine ideologiefreie, wissenschaftlich begründetet Vorgehensweise.

Halten Sie ein Moratorium für den Holzeinschlag für sinnvoll, um dem geschwächten Wald eine Erholung zu ermöglichen?

Ja, in Verbindung mit gezielten Maßnahmen zum Schutz und Gesunderhaltung des Waldes. Des Weiteren gezielte Aufforstung mit geeigneten Arten die dem Umweltwandel gerechter werden. Hierbei sollte aber nicht die kommerzielle Nutzung des Waldes (der naturbelassenen Flächen) im Vordergrund stehen.

Dieses Vorgehen wird in Bickenbach bereits praktiziert. Ein Holzeinschlag aus rein finanzwirtschaftlichen Aspekten wird kaum vorgenommen. Dies liegt auch darin begründet, dass der Holzmarkt immer noch, durch diverse Stürme aus der nahen Vergangenheit, überschwemmt ist.

Auch hier stehen wir mit unserem zuständigen Förster in engem Kontakt. Wichtig ist uns eine ideologiefreie, wissenschaftlich begründetet Vorgehensweise.

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