Mai 252020
 

Im April 2020 wurde auf einer der letzten naturnahen Wiesen gegenüber dem Seeheimer Schloss massiv Mineraldünger ausgebracht, außerdem wurden natürliche Bodensenken mit schwerer Technik nivelliert. Das Ergebnis der Düngung ist sofort sichtbar: Fettes, dichtes und giftgrünes Gras. Anders als in den Vorjahren ist von der blauen Pracht der Wiesensalbei-Glatthaferwiese nichts mehr zu sehen.

Die blühenden Landschaften, mit denen die Gemeinde Seeheim-Jugenheim wirbt, gehen auch heute Stück für Stück verloren. Mit viel Medienaufwand werden andernorts am Rande von intensiv genutzten Äckern kurzfristige Blühflächen angelegt, die bei Pflanzen, Insekten und Bodenlebewesen bei Weitem nicht die Artenvielfalt einer naturnahen Wiese erreichen können. Gleichzeitig wird die flächendeckende Vernichtung von Artenvielfalt durch Intensivierung mit Überdüngung, Pestizideinsatz und Bodenverdichtung konsequent vorangetrieben.

Das ist ordnungsgemäße Landwirtschaft, legal, systemrelevant und für Biodiversität und Klima schädlich.

Fotos: NABU/Tino Westphal – Wiesensalbei-Glatthaferwiese im Mai 2015 – Blühende extensiv genutzte Wiesen sind Bilder aus der Vergangenheit.

Verantwortung der Lokalpolitik

Wir brauchen dringend eine Agrarwende! Der NABU sieht aber auch Lokalpolitik und lokale Landwirte in direkter Verantwortung für die Umwelt in Seeheim-Jugenheim.

Unter dem Nachhaltigkeitsgebot sollte die Gemeinde Seeheim-Jugenheim mit ihren politischen Vertretern auf ihrem Gebiet eine ökologisch verträgliche Landbewirtschaftung generell per Beschluss als Leitziel festzusetzen. Für Biodiversität, Klima- und Wasserschutz und die gesunde Erholung der Menschen heute ebenso wie im Interesse künftiger Generationen. Ein solcher Beschluss wäre tatsächlich ein Signal für die Ernsthaftigkeit der Politik. Denn auf dem Gebiet der Gemeinde Seeheim-Jugenheim gibt es noch immer viel zu verlieren: sie ist privilegiert mit herausragenden Landschaften nicht nur am Blütenhang, sondern in den beiden Tälern von Stettbach und Balkhausen, auch die Lage zwischen dem OT Seeheim und Malchen ist außerordentlich reizvoll.

Verschwunden: Blühender Wiesensalbei und Weisses Labkraut nehmen im Mai große Flächen ein – Foto vom Mai 2015
Grün statt bunt: intensiv genutzte Wiesen im Mai 2020

Nachruf auf einen ungeschützten Lebensraum: Magere Flachland-Mähwiesen

Es handelt sich um artenreiche, extensiv bewirtschaftete Mähwiesen überwiegend frischer Standorte des Flach- und Hügellandes, die dem Verband der Glatthaferwiesen (Arrhenatherion) zugeordnet werden können. Die Bestände sind im Gegensatz zum Intensivgrünland wenig oder nicht gedüngt und werden erst im Sommer genutzt. Noch vor einiger Zeit waren sie in Hessen zumeist großflächig ausgebildet und weit verbreitet. Inzwischen sind die mageren Flachland-Mähwiesen deutschlandweit sehr im Rückgang begriffen. Typischerweise sind sie sehr kraut- und damit blütenreich ausgebildet und stellten damit eine der wichtigsten Nahrungshabitate der Insektenwelt dar.

Beeinträchtigt werden die mageren Flachlandmähwiesen in erster Linie durch zu starke Düngung und Überweidung …

… denn sie unterliegen keinem gesetzlichen Schutz gemäß BNatSchG bzw. HAGBNatSchG.

Quelle: Seite 218 ff. https://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/naturschutz/Lebensraueme/HLBK_Kartiereinheitenbeschreibung_2018_20171123.pdf

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