Mrz 012012
 
Foto: NABU/Tino Westphal – Erdkröte
NABU Hessen bittet Autofahrer um Rücksichtnahme
Wetzlar. Das warmfeuchte Wetter der kommenden Tage lockt Kröten, Frösche und Molche aus ihren Winterquartieren. In der nächsten Zeit ist überall in Hessen mit den ersten Amphibien-Wanderungen zu rechnen. „Wir bitten Autofahrer, in der Dämmerung vorsichtig zu fahren und Rücksicht auf liebestrunke Lurche zu nehmen“, ruft Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen, zum Schutz der Amphibien auf. Überall, wo Kröten, Frösche und Molche unterwegs seien, gelte Tempo 30 als richtige Antwort, um die Tiere nicht unnötig zu gefährden.
Ein besonderes Augenmerk hat der NABU in diesem Jahr auf den Lurch des Jahres, die Erdkröte gerichtet. Die Erdkröte ist zwar eine der häufigsten heimischen Amphibienarten, aber dennoch durch den stetig zunehmenden Straßenverkehr bedroht. Ab einer Nachttemperatur von fünf Grad Celsius verlassen die wechselwarmen Erdkröten in der Abenddämmerung  ihre Winterquartiere und wandern zu ihren Laichgewässern. Sie sind besonders bei feuchtem Wetter unterwegs. Auf den bis zu zwei Kilometer langen Wanderungen müssen viele Kröten Straßen überqueren.  „Manchmal bleiben die Kröten längere Zeit auf der warmen Fahrbahn sitzen und werden ein leichtes Opfer anrollender Autos“, erklärt der Biologe Eppler. Eine oft unterschätzte Gefahr sei der Strömungsdruck der Fahrzeuge. Bei Geschwindigkeiten über 30 Stundenkilometern würden auch Amphibien getötet, die am Straßenrand sitzen. Der Strömungsdruck der PKW bringe ihre inneren Organe zum Platzen.
Um eine bessere Übersicht über die Krötenwanderung in Hessen zu erhalten, ruft der NABU Hessen dazu auf, Krötenfunde zu melden. „Wir wollen in diesem Jahr nicht nur lebendige Kröten zählen, sondern auch diejenigen, die im Straßenverkehr zu Tode kommen“, so Eppler. 
Von der Landespolitik und den Kommunen fordert der NABU mehr Engagement für den Amphibienschutz. An Straßen, die Hauptwanderwege von Kröten, Molchen und Fröschen durchschneiden, müsse es flächendeckend Krötentunnel oder feste Krötenzäune geben. Auch der fortschreitenden Zerstörung der Lebensräume müsse Einhalt geboten werden. „Die Landesregierung  ist in der Pflicht, Auen, Feuchtwiesen und Gewässern wirkungsvoller zu schützen“, so Eppler.
Auch für ehrenamtliche Naturschützer beginnt nun in ganz Hessen die Wandersaison. Viele NABU-Gruppen betreuen Krötenzäune, um Amphibien an besonderen Gefährdungs-stellen vor dem Straßentod zu retten. „Bei entsprechender Witterung heißt es nun, abends die Krötenzäune abzugehen, die sich in Eimern sammelnden Amphibien zu zählen und sie über die Straße zu tragen“, erklärt der Biologe Eppler. Wer beim Krötenretten mitmachen möchte, könne sich an die örtliche NABU-Gruppe wenden. Mithelfer seien gerne willkommen.

 

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