
Die Klimakrise und das fortschreitende Artensterben sind die großen politischen Herausforderungen unserer Zeit. Erhalt und Ausbau der Mitwirkung von Nichtregierungsorganisationen auch auf Gemeindeebene ist entscheidend für eine stabile Demokratie. Auch auf Gemeindeebene entscheidet sich, ob der Umbau zu einer mehr natur- und klimaverträglichen Lebensweise gelingt.
Darum hat der NABU alle in seinem Wirkungsbereich antretenden demokratischen Parteien zu Themen befragt, die uns besonders am Herzen liegen. Die Antworten haben wir unten so wiedergegeben, wie wir sie von den Parteien erhalten haben. Wir legen alle Bürgern und Bürgerinnen ans Herz, sich auf diese Weise über die Positionen der Partien zu den Umwelt- und Naturschutzthemen zu informieren und sich zu überlegen, welche Rolle das für ihre Wahlentscheidung spielt.
Welche Vorstellungen haben Sie zur zukünftigen Bebauung unserer Gemeinde? Wie wollen Sie den fortschreitenden Flächenfraß eindämmen?
Der Flächenverbrauch durch Baumaßnahmen ist eine der größten Bedrohungen für unsere Natur und kann durch sogenannte „Ausgleichsmaßnahmen“ nicht abgemildert werden. Eine weitere Vergrößerung der Verkehrs- und Siedlungsfläche durch neue Baugebiete und Bauvorhaben im Außenbereich wäre aus Naturschutzsicht katastrophal. Als primäre Planungsinstanz haben hier die Gemeinden eine besondere Verantwortung.
CDU
Im Bereich des Wohnungsbaus favorisieren wir die Schaffung neuer Wohnungen durch Innenverdichtung. Etwa durch Anpassungen von Bebauungsplänen in der Gemeindevertretung können von den politischen Entscheidern die Rand- und Rahmenbedingungen für eine gelungene Innenverdichtung gesetzt werden, hierzu bekennt sich die CDU.
Seeheim-Jugenheim liegt inmitten einer Wachstums- und Zuzugsregion. Wohnraum ist teuer und stark nachgefragt, allein durch Innenverdichtung kann der Bedarf danach nicht gedeckt werden. Die CDU spricht sich daher für maßvolle und der Umgebung angepasste Arrondierungen im Gemeindegebiet aus. Große Neubauflächen im Außenbereich sollten nicht ausgewiesen werden.
Die CDU möchte das Gewerbe in unserer Gemeinde stärken! Besondere Priorität hat die Ansiedelung von Gewerbe in leerstehenden Immobilien und die Entwicklung innerörtlicher Flächen, wie an der Breslauer Straße in Seeheim. Die CDU drängt seit Jahren auf einen zügigen Abschluss des Bebauungsplanverfahrens, um Gewerbeansiedelung an diesem Standort zu ermöglichen. Von der Rathausführung wird das Thema leider ausgesessen, wir drohen Betriebe an umliegende Gemeinden zu verlieren und müssen auf dringende Einnahmen aus der Gewerbesteuer verzichten.
Seeheim-Jugenheim ist keine flächenhungrige Gemeinde, in der jüngeren Vergangenheit kam es in unserer Gemarkung zu keinen großen Baumaßnahmen im Außenbereich. Auch weiterhin sollte Seeheim-Jugenheim nachhaltig mit seinen Naturflächen umgehen.
FDP
Bis zum Redaktionsschluss keine Antwort.
SPD
Die SPD verfolgt bei der zukünftigen Bebauung unserer Gemeinde einen Ansatz, der ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit so gut wie möglich miteinander in Einklang bringt. Jede planerische Entscheidung ist dabei eine Abwägung unterschiedlicher Bedarfe. Uns ist bewusst, dass nicht jeder Kompromiss aus der Perspektive eines einzelnen Aspekts perfekt erscheinen kann – Verantwortung bedeutet jedoch, das Gesamtwohl der Gemeinde und der Menschen im Blick zu behalten.
Seeheim-Jugenheim besteht aktuell fast zu 50 % aus Wald. Die Ortsteile sind von prägenden Grünzügen umgeben. Das trägt wesentlich zur Lebensqualität bei: Diese Flächen dienen der Naherholung, haben eine wichtige Kühlungsfunktion und sind ökologisch wertvoll. Diese Strukturen wollen wir ausdrücklich erhalten. Zwar sind über die Kommentierung des Regionalplanentwurfs zusätzliche Siedlungsflächen benannt worden, eine konkrete Bebauungsabsicht besteht seitens der SPD jedoch nicht. Für uns gilt klar: Innenentwicklung und maßvolle Nachverdichtung haben Vorrang vor neuen Baugebieten im Außenbereich.
Anders stellt sich die Situation beim Gewerbe dar. Hier besteht in unserer Gemeinde ein deutlicher struktureller Mangel. Solange es keine grundlegende Neuordnung der kommunalen Finanzierung oder des Steuersystems gibt, sind Gemeinden weiterhin auf Einnahmen aus der Gewerbesteuer angewiesen – auch, um sich nicht einseitig über die Grundsteuer zu finanzieren. Jedoch geht es nicht allein um Steuereinnahmen, sondern ebenso um Arbeitsplätze vor Ort. Diese sind ein zentraler Faktor für eine lebendige Gemeinde und haben ganz praktische Auswirkungen – etwa auf die Tageseinsatzbereitschaft unserer Feuerwehren.
Wenn wir Gewerbe erhalten und perspektivisch stärken wollen, kommen wir nicht vollständig daran vorbei, auch Flächen im Außenbereich in Betracht zu ziehen. Denn uns fehlen die Instrumente, um leerstehende Gewerbeimmobilien wieder einer Nutzung zuzuführen. Die vorhandenen innerörtlichen Leerstände sind zudem überschaubar, und es gibt kaum noch entwickelbare Flächen im Innenbereich. In einigen Fällen droht sogar, dass Wohnbebauung potenzielle Gewerbeflächen verdrängt. Dass andere Parteien hier etwas anderes suggerieren, können wir nur als realitätsferne Träumerei bewerten.
Vor diesem Hintergrund haben wir in der Sitzung am 18. Dezember der Forderung zugestimmt, die vergrößerte Potenzialfläche an der L 3103 im Rahmen der Regionalplanung als Vorranggebiet für Gewerbe auszuweisen, und zwar in einer Größenordnung, die realistische Entwicklungschancen eröffnet. Es handelt sich um einen neuen Versuch mit verändertem Zuschnitt und unter Wahrung des angrenzenden geschützten Biotops der Düne, um eine tragfähige Entwicklung zu ermöglichen. Ein alternativ vom Planungsbüro vorgeschlagenes Gebiet angrenzend an Jugenheim ist aufgrund seiner Lage ungeeignet und wurde von uns daher nicht unterstützt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit diese Forderung durch die höheren Ebenen einschließlich Naturschutzbehörde beachtet wird.
Uns ist bewusst, dass ein neues Gewerbegebiet mit Flächenversiegelung verbunden sind. Genau deshalb ist für uns entscheidend, mögliche Eingriffe durch kluge Planung und hochwertige Gestaltung so weit wie möglich zu minimieren – etwa durch flächensparende Bauweisen, ökologische Ausgleichskonzepte, erneuerbare Energien, Begrünung und eine gute verkehrliche Anbindung.
Unser Ziel bleibt: verantwortungsvoll entwickeln, Natur schützen und gleichzeitig die wirtschaftliche und soziale Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde sichern.
Wir weisen in diesem Zusammenhang erneut darauf hin, dass die Gemeinde ausschließlich ihr zustehenden Kontingente eingefordert hat, die im Rahmen der Regionalplanung über ganz Südhessen verteilt werden. Der Regionalplan legt lediglich den übergeordneten Rahmen für mögliche Entwicklungen fest. Gegenstand der Entscheidung der Gemeindevertretung am 18. Dezember war ausschließlich eine Stellungnahme zum ersten Entwurf des Regionalplans. Welche Flächen im weiteren Verfahren tatsächlich berücksichtigt werden, ist derzeit offen. Die örtlichen Stellungnahmen werden nun ausgewertet und von den zuständigen höheren Ebenen, einschließlich Naturschutzbehörde, geprüft. Mindestens ein überarbeiteter Entwurf wird erneut zur Stellungnahme öffentlich ausgelegt. Nach dem Beschluss des fertigen Regionalplans (voraussichtlich Ende 2028) folgt dann eine mögliche Änderungen des Flächennutzungsplans. Eine konkrete Bebauung ist erst nach der Aufstellung rechtsverbindlicher Bebauungspläne durch die Gemeindevertretung möglich. Die zuvor genannten Grundsätze werden wir als SPD weiterhin strikt beibehalten.
Die Grünen
Wir GRÜNEN stehen nach wie vor uneingeschränkt zum Grundsatz „Innenverdichtung statt Außenbebauung“.
Wir haben deshalb als einzige Partei in der Gemeindevertretung gegen die Ausweisung neuer Vorranggebiete für Bau oder Gewerbe im Regionalplan gestimmt.
Dem Stopp der Beplanung vom Bereich Zeppelinweg haben wir ebenfalls zugestimmt bzw. werden das in der Gemeindevertretung Ende Februar tun, da nun der einzige für uns sinnvolle Grund, der notwendige Bau einer neuen Kita, weggefallen ist.
Wenn die neuen Bau- und Gewerbegebiete ihren Weg in den Regionalplan schaffen, werden wir konkrete Initiativen, diese dann auch zu beplanen und umzusetzen, nicht mittragen. Vor allem das Wiederauferstehen des Gewerbegebiets Schenkenäcker, das vor vielen Jahren aus guten Gründen schon nicht umgesetzt wurde, lehnen wir wie damals ab. Die Hoffnung auf mehr Steuereinnahmen wiegt für uns den Verlust an klimarelevanten Flächen nicht auf.
Die Linke
Der Ortsgruppe der Partei Die Linke sowie ich als Einzelabgeordneter unterstützen den Ausbau von Gewerbe- und Wohnflächen in Seeheim. Da im Innenraum noch genug Kapazitäten vorhanden sind, die bisher nicht ausreichend genutzt werden, sprechen wir uns gegen weitere Versiegelung von Flächen im Aussenbereich aus. Wir fordern einen generellen Stopp für neue Baugebiete auf der grünen Wiese und stattdessen konsequente Nachverdichtung und Bestandsnutzung. Die einzige Ausnahme gilt für umweltentlastende Infrastrukturprojekte wie zum Beispiel dem ÖPNV, Radwege oder Anlagen zur erneuerbaren Energiegewinnung. Wir bevorzugen die Verdichtung und bessere Nutzung der bisherigen Flächen – sowohl für Gewerbe als auch für Wohnen gegenüber weiterer Zerstörung der Natur in unserer Umgebung. So lange wir ungenutzte Gewerbeflächen und leerstehende Wohnungen und Baugrundstücke im Innenraum tolerieren, können wir weiteren Raubbau an der Natur nicht rechtfertigen.
Wie möchten Sie lokal zur Eindämmung der Klimakrise beitragen? Wie kann unsere Gemeinde nachhaltiger werden?
Die Einhaltung des 1,5° Ziel des Pariser Klima-Abkommens ist zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen außerordentlich wichtig, aber aktuell stark gefährdet. Wo sehen Sie konkrete Potenziale den CO2-Ausstoß in der Gemeinde zu verringern? Wie kann die Gemeinde zur Verkehrs- und Energiewende beitragen.
CDU
Seeheim-Jugenheim muss sich in den kommenden Jahren nachhaltiger aufstellen. An einigen Stellen wurden Erfolge erzielt, an die es anzuknüpfen gilt. Etwa das Forum am Rathaus, dessen Bau wir als CDU stets befürwortet haben, verfügt über eine große Photovoltaikanlage mit Speicher und eine moderne Eisheizung, die sich aktuell sehr bewährt. Das Gebäude ist nach neuesten energetischen Standards erbaut worden und dienst uns als Vorreiter und Vorbild für die Sanierung oder den Neubau weiterer kommunaler Liegenschaften. Wir fordern eine Photovoltaikanlage auf jeder gemeindeeignen Dachfläche auf der es technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Neben den Gebäuden soll auch ein zeitgemäßer Fuhrpark mit modernen Antriebstechnologien unseren ökologischen Fußabdruck verbessern. Als CDU fordern wir die strikte Umsetzung der Dimmung unserer Straßenbeleuchtung, die so nach der erfolgten Umstellung auf LED mehr Strom sparen soll.
Kritisch sehen wir die Errichtung von Flächen-PV Anlagen auf der grünen Wiese und den Bau weiterer Windkraftanlagen im Gemeindegebiet.
Die CDU unterstützt Maßnahmen zur Eindämmung des Artensterbens. Durch das Anlegen von Blühstreifen, die Verwendung von hitzeresistenten und trockenverträglichen Planzen auf gemeindeeigenen Grünflächen und die Nutzung insektenfreundlicher Technik beim Mähen möchten wir die Umwelt stärker schützen.
FDP
Bis zum Redaktionsschluss keine Antwort.
SPD
Auch wenn Kommunen die Klimakrise nicht allein lösen können, tragen sie eine wichtige Verantwortung, konkrete Beiträge zur Reduktion von CO₂-Emissionen vor Ort zu leisten.
Unser Ziel ist es, Seeheim-Jugenheim Schritt für Schritt klimaneutral zu gestalten. Dieses Ziel verstehen wir als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der die Gemeinde insbesondere über Stadtentwicklung, Bauleitplanung und ihre eigene Infrastruktur eine Vorbildfunktion einnehmen muss. Ein wesentlicher Hebel liegt im konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien. Bei gemeindeeigenen Neubauten oder Sanierungen wollen wir erneuerbare Heizungstechnik einbauen. Auch setzen wir uns dafür ein, Photovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Dächern zu installieren und darüber hinaus auch auf geeigneten Freiflächen erneuerbare Energien zu ermöglichen, stets unter Berücksichtigung ökologischer Verträglichkeit und des Landschaftsschutzes.
Ein weiterer zentraler Baustein zur Reduktion von Emissionen ist die Verkehrs- und Mobilitätswende. Um den Umstieg auf klimafreundliche Mobilität zu erleichtern, unterstützen wir den Ausbau einer flächendeckenden öffentlichen Ladeinfrastruktur für Elektromobilität in allen Ortsteilen. Gleichzeitig ist es uns wichtig, Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr weiter zu stärken, um Wege klimafreundlicher und lebenswerter zu gestalten.
Neben konsequentem Klimaschutz muss es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ebenso zwingend um Klimaanpassung gehen. Das ist ausdrücklich keine Ausrede, um beim Klimaschutz nachzulassen, sondern der realistische Umgang mit der Tatsache, dass eine Erderwärmung von 2 Grad und mehr in vielen Bereichen bereits Realität ist oder sehr wahrscheinlich wird. Die Folgen des Klimawandels treffen die Menschen vor Ort konkret – durch Hitzebelastung, Starkregen und zunehmende Extremwetterereignisse – und darauf muss eine verantwortungsvolle Kommunalpolitik reagieren.
Ein zentraler Ansatzpunkt ist dabei die Gestaltung des öffentlichen Raums. Innerorts wollen wir bei Neu- oder Umbauten wo möglich entsiegeln und das Straßenbegleit- sowie anderes öffentliches Grün deutlich ausbauen. Schattenspendende, standort- und klimagerechte Bäume sowie naturnah gestaltete Grünflächen verbessern das Ortsklima, fördern die Artenvielfalt und erhöhen spürbar die Aufenthaltsqualität. Abgestorbene oder stark geschädigte Bäume sollen zeitnah ersetzt werden, um die Kühlungs- und Schutzfunktion dauerhaft zu erhalten.
Auch der Hochwasserschutz muss angesichts zunehmender Starkregenereignisse weiterentwickelt werden. Wir setzen uns für den Ausbau und die regelmäßige Überprüfung bestehender Schutzmaßnahmen ein. Dazu gehören gepflegte und funktionsfähige Bachläufe, ausreichend Retentionsflächen zur Aufnahme von Starkregen sowie ein verlässliches Warn- und Notfallmanagement, das im Ernstfall schnell greift und Schäden begrenzt. Vor kurzem haben wir beantragt, den Einsatz eines Starkegenfrühalarsystem zu prüfen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Hitzeschutz, insbesondere in dicht bebauten Bereichen. Öffentliche Plätze und Gebäude sollen so gestaltet werden, dass sie Hitze besser abmildern, etwa durch Beschattung, Begrünung und geeignete Materialien. Öffentliche Wasserspender können zudem an heißen Tagen für Erfrischung sorgen und einen einfachen, niedrigschwelligen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten.
Die Grünen
Wir setzen uns für den Ausstieg der Gemeinde aus fossilen Energien ein, aktuell haben wir z.B. den neu zu beschaffenden Schwimmbadheizer im Fokus. Im Komplettpaket aus Eigenerzeugung von Solarstrom und eine Umstellung des Fuhrparks auf elektrischen Antrieb kann die Gemeinde selbst ihren CO2-Ausstoß senken und ist gleichzeitig Vorbild für Bürgerinnen und Bürger. Gleichzeitig sollten wir als Gemeinde Rahmenbedingungen schaffen, die es auch den Menschen und Unternehmen ermöglicht, selbst die Energiewende mitzugestalten – durch ein gutes E-Lade-Netz oder die Ermöglichung eines Freiflächen-Solarparks.
Wir als GRÜNE setzen uns für einen sicheren und zügigen Radverkehr ein und wollen diese nachhaltige Mobilitätsform so attraktiver machen. Wir möchten vor allem nachhaltige und emissionsarme Mobilitätsformen stärken, vom Fuß- und Radverkehr über den ÖPNV bis hin zu Elektromobilität. Für uns hat die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer Priorität vor den Einzelinteressen bestimmter Gruppen. Besonders auch die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler auf unseren Straßen ist wichtig, um die Menge der Elterntaxis nicht noch weiter ansteigen zu lassen.
Die Linke
Wir setzen uns seit langem für mehr Rad- und Fußverkehr in Seeheim ein und befürworten einen Ausbau des ÖPNV (zB einen Bus nach Pfungstadt). Weitere Maßnahmen, die wir untestützen, sind die extensive Bewirtschaftung des Waldes, eine kommunale Wärmeplanung, sowie die Ausweisung von Vorrangflächen für Solarparks, um aus der fossilen Energieversorgung auszusteigen.. Bisher hatten wir leider geringen Erfolg, da die Mehrheit der Mitglieder der Gemeindevertretung diese Maßnahmen ablehnt.
Unterstützen Sie eine naturnähere und zukunftsgewandte Bewirtschaftung des Gemeindewaldes und wie möchten Sie dies umsetzen?
Der Wald erfüllt heute vielfältige Funktionen. Er wird als Naturraum zur Erholung geschätzt, er ist Lieferant für Holz, CO2-Speicher und Schutzraum für Tiere und Pflanzen.
Welche Waldfunktion(en) stehen für Sie im Vordergrund?
Was möchten Sie tun, um den Wald zu unterstützen, damit er in Zeiten des Klimawandels diese Funktion(en) weiter erfüllen kann.
Wie beurteilen Sie die Arbeit und die Ergebnisse des Runden Tisches zur Waldentwicklung?
Wie möchten Sie in Zukunft sicherstellen, dass die beim Runden Tisch Wald gefassten Beschlüsse korrekt umgesetzt werden?
Welche Ideen haben Sie, um auch zukünftig Bürger und Naturschutzverbände an den Entscheidungsfindungen zu beteiligen?
Werden Sie sich für eine größere Transparenz und mehr Informationen für Bürger zum Thema Wald einsetzen, z.B. durch Informationen auf der Webseite und in der Presse?
CDU
Der Gemeindewald liegt uns als CDU am Herzen, ihn zu schützen und für kommende Generationen zu erhalten, empfinden wir als Verpflichtung. In vielen Bereichen der Waldbewirtschaftung fand in den letzten Jahren ein Umdenken statt, welches wir unterstützen. Weniger Holzeinschlag, weniger Befahrung des Waldbodens mir schweren Maschinen, Anreicherung des Totholzanteils und die Pflanzung heimischer aber klimaresistenter Baumarten sind als Beispiele zu nennen. Diesen Weg sollte Seeheim-Jugenheim weiter gehen.
Die Schutzfunktion und Erholungsfunktion des Waldes haben für die CDU Priorität. Dennoch möchten wir in Zukunft nicht gänzlich auf die Nutzung von Holz aus dem Gemeindewald verzichten. Die Gesellschaft hat einen Bedarf nach Holz, als Werk- und Baustoff oder zur Verbrennung, diesen Bedarf sollten wir nicht ignorieren. Die CDU befürwortet eine maßvolle Holzernte in unserem nachhaltig bewirtschafteten Wald, statt Holz aus dem Ausland.
Die CDU hat in der Vergangenheit bereits Schwerpunkte zum Schutz des Waldes gesetzt, auf unser Betreiben wurde etwa der Wasserrückhalt an vielen Stellen im Wald verbessert. Niederschlagswasser steht den Wildtieren somit besser und länger zur Verfügung, bei Starkregenereignissen bieten die Maßnahmen Schutz vor Überschwemmung im Bereich der Bebauung und die Bildung von Grundwasser wird gefördert. An diese Erfolge wollen wir anknüpfen.
Wir verfolgen als CDU nicht das Ziel, mit unserem Gemeindewald Geld zu verdienen. Ein leicht negatives Ergebnis des Waldwirtschaftsplans ist für uns akzeptabel. Im Vordergrund steht die Zukunftsfähigkeit des Waldes. Die kluge Nutzung von passenden Förderprogrammen soll niedrigere Erlöse aus dem Holzverkauf auch zukünftig ausgleichen.
Das Leitbild Wald, welches von einem Runden Tisch aus Naturschutzverbänden, Forstleuten, Politik und Vertretern der Jagd erstellt wurde, soll in der nächsten Forsteinrichtung zur Umsetzung kommen. Die Ergebnisse des Runden Tisches stellen aus Sicht der CDU eine gute Grundlage für eine zukunftssichere Waldbewirtschaftung dar.
Zunächst muss die Gemeindevertretung in ihrem Beschluss über die Fortsteinrichtung fassen und dort die Ideen des Runden Tisches verbindlich fixieren, daraus ergeben sich die nötigen Kontrollmöglichkeiten für die Gemeinde. Der Forsteinrichter muss diese Vorgaben einhalten und im jährlichen Waldwirtschaftsplan berücksichtigen, beim Beschluss über diesen Jahresplan, muss die Gemeindevertretung das Leitbild Wald und die Forsteinrichtung im Blick gehalten.
Die regelmäßigen Waldbegehungen mit dem Revierförster bieten eine gute Gelegenheit, um sich über die konkrete Ausgestaltung der forstlichen Maßnahmen zu informieren. Vor und nach Einschlägen kann man vor Ort am besten ein Verständnis für die forstliche Praxis erlangen. Im Rahmen der Beratungen zur Waldwirtschaftsplan kommen die Naturschutzverbände jährlich im Umweltausschuss zu Wort, um ihre Positionen zu vertreten, diese Praxis sollte unbedingt fortgesetzt werden.
Transparenz gegenüber unseren Bürgern hat für die CDU eine sehr große Bedeutung, daher begrüßen wir wirkungsvolle Instrumente, um dieses Ziel zu erreichen.
FDP
Bis zum Redaktionsschluss keine Antwort.
SPD
Wir unterstützen ausdrücklich eine naturnähere Bewirtschaftung des Gemeindewaldes. Für uns stehen dabei klar die Schutz- und Erhaltungsfunktionen des Waldes im Vordergrund. Dazu gehören mehr Naturwaldflächen, der Erhalt von Habitat- und Altbäumen, deutlich weniger Eingriffe in natürliche Prozesse, eine weitgehende Ruhezeit über den Großteil der Brut- und Setzzeit sowie ein stärkerer Fokus auf Boden- und Wasserschutz. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit des Waldes gegenüber Hitze, Trockenheit und Extremwetter zu erhöhen und seine ökologische Funktion langfristig zu sichern. Holz bleibt dabei ein nachwachsender Rohstoff, seine Nutzung muss sich jedoch konsequent an den ökologischen Belastungsgrenzen orientieren. Diese Grundsätze gelten für den Gemeindewald in Seeheim-Jugenheim.
Die Arbeit und die Ergebnisse des Runden Tisches zur Waldentwicklung bewerten wir grundsätzlich positiv. Der Runde Tisch wurde auf Antrag der SPD eingerichtet, weil wir früh erkannt haben, dass es einen strukturierten, transparenten und fachlich fundierten Dialog zur Zukunft des Gemeindewaldes braucht. Im Verlauf dieses Prozesses hat sich die SPD aktiv und konstruktiv für viele der nun beschlossenen Verbesserungen eingesetzt, insbesondere für eine stärkere ökologische Ausrichtung der Waldbewirtschaftung, mehr Schutzflächen und verbindlichere Leitlinien. Entscheidend ist nun, dass die dort gefassten Beschlüsse auch tatsächlich umgesetzt werden. Das wollen wir sicherstellen, indem ihre Inhalte verbindlich in die Forsteinrichtung und darauf aufbauend in die Waldwirtschaftspläne einfließen, die regelmäßig in den politischen Gremien beraten und beschlossen werden.
Der Zustand des Waldes wird regelmäßig und professionell überprüft. Alle zehn Jahre erfolgt eine umfassende Inventur im Rahmen der Forsteinrichtung, die die Grundlage für die langfristige Planung bildet. Der jährliche Waldwirtschaftsplan basiert auf dieser Forsteinrichtung und wird fortlaufend an aktuelle Entwicklungen und neue Erkenntnisse angepasst. Die konkreten Maßnahmen des jährlichen Waldwirtschaftsplans werden öffentlich in der Gemeindevertretung und in den zuständigen Ausschüssen beraten. Bürgerinnen und Bürger sowie Verbände sind zu diesen Sitzungen ausdrücklich eingeladen und haben die Möglichkeit, sich einzubringen, etwa durch Wortmeldungen nach Beantragung einer Sitzungsunterbrechung. Zusätzlich steht es allen offen, sich jederzeit direkt an die Fraktionen zu wenden. Besonders die SPD ist für Gespräche, gemeinsame Begehungen und fachlichen Austausch jederzeit offen.
Auch für die Zukunft ist uns eine breite Beteiligung von Bürgerinnen, Bürgern und Naturschutzverbänden wichtig. Neben den öffentlichen Sitzungen bieten insbesondere die Förstersprechstunden mit Waldbegehungen, die mehrmals im Jahr vom Revierförster in Zusammenarbeit mit der Gemeinde durchgeführt werden, eine wichtige Möglichkeit zum Austausch. Die SPD unterstützt ausdrücklich, dass eine dieser Sprechstunden künftig gezielt dazu genutzt wird, dass die Beteiligten des Runden Tisches dort über das Leitbild Wald, den aktuellen Zustand des Gemeindewaldes und das weitere Vorgehen zu sprechen.
Eine größere Transparenz und bessere Information zum Thema Wald unterstützen wir gerne. Forsteinrichtung, Waldwirtschaftsplan und Förstersprechstunden sind bereits öffentlich zugänglich. Über starke Beteiligung der Menschen freuen wir uns. Darüber hinaus sind wir offen für Vorschläge, wie Informationen auf der Gemeindehomepage, in der Presse oder durch zusätzliche Formate noch verständlicher aufbereitet werden können.
Die Grünen
Wir GRÜNEN waren ein sehr aktiver Teilnehmer der Runden Tisches und haben uns mit vielen Ideen und Ansätzen eingebracht, die auch zu großen Teilen aufgegriffen und eingearbeitet wurden. Wir haben den Runden Tisch mit beschlossen und immer wieder nachgehakt, bis er dann nach langer Verzögerung auch tatsächlich stattfand.
Wir haben dafür plädiert, dass der Runde Tisch als Austauschmöglichkeit zusätzlich zu den Förstersprechstunden vor Ort auch weiterhin jährlich stattfindet und die Möglichkeit für Rückschau, Manöverkritik und Feedback für die Naturschutzverbände mit Politik, Verwaltung und weiteren Interessengruppen besteht.
Für uns hat der Erhalt des Waldes mit all seinen Klima- und Schutzfunktionen die höhere Priorität, gefolgt von der Naherholungsfunktion. Gerade jetzt, wo der Klimawandel immer mehr spürbar wird, wollen wir die Holznutzung zu Gunsten des Aufbaus eines gesunden und altersdurchmischten Waldes einschränken. Statt dessen wollen wir die Mittel für die Waldpflege zu einem möglichst großen Anteil aus Fördermitteln generieren. Durch Baumpatenschaften oder ähnliche Ansätze wollen wir sowohl die Verbindung der Bürgerinnen und Bürger zu „Ihrem Wald“ stärken und Öffentlichkeit generieren wie auch zusätzliche Mittel für den natürlichen Waldumbau generieren.
Weiterhin werden wir darauf achten, dass die im Runden Tisch gefassten Leitlinien in der nächsten Forsteinrichtung auch textlich und konzeptionell aufgenommen werden. In den jährlichen Beratungen zum Waldwirtschaftsplan werden wir ebenfalls auf Umsetzung der Leitlinien achten.
Die Linke
Für uns stehen die Funktionen als Erholungsgebiet, Schutzraum für Tiere und Pflanzen, und CO2 Senke im Vordergrund. Wir halten jedoch auch die Lieferung von Holz -soweit ohne starke Beeinträchtigung der anderen Funktionen möglich – für ein wichtiges Ziel. Grund hierfür ist, dass es nicht unser Ziel sein kann, unseren Wald nicht zu bewirtschaften, wenn hierfür unser Holzbedarf aus Urwäldern in Rumänien gedeckt wird. Idealerweise, sollte unser Holzbedarf aus den regionalen Wäldern oder aus nachhaltiger Forstwirschaft gedeckt werden.
Damit der Wald langfristig seine Funktionen erfüllen kann, sollte der Bestand an den Klimawandel angepasst werden. Insbesondere bei der Nachpflanzung soll auf Vielfalt und Klimaresistenz geachtet werden. Wir teilen die Meinung des NABU, dass alte Bäume eine wichtige Rolle für den Schutz des Waldes spielen.
Wir sind mit der Arbeite des Runden Tisches zufrieden und halten dies für ein gutes und demokatisches Modell, die Interessensvertreter einzubeziehen. Wir finden, dass der Nabu hier eine wichtige und gute Rolle gespielt hat, die Nachhaltigkeit im Forsteinrichtungswerk zu verankern. Auch wenn jede einzelne Interessensgruppe nur Teile der Anforderungen einbringen konnte, halten wir das Ergebnis für ausgewogen und den Dialog für gelungen.
Wir planen, die Umsetzung durch Anfragen und Beschlüsse kritisch zu begleiten. Da wir nur wenig Stimmen haben, wird der Plan nur umgesetzt werden, wenn auch die Mehrheit dahinter steht. Hier hilft es, dass die Ergebnisse des Runden Tisches alle Interessen wiederspiegeln. Daher hoffen wir, dass alle Parteien sich an das Ergebnis gebunden fühlen.
Da die Umsetzung durch die Gemeinde erfolgt und wir als Gemeindevertreter durch die Gemeindeverwaltung oft spärlich informiert werden (z.B. warten wir seit fast einem Jahr auf die Markierungsplanung für die Ortsdurchfahrt Jugenheim), können wir hier nur begrenzt helfen. Der einzige Weg für uns mehr Transparenz herzustellen, ist es, regelmäßig entsprechende kleine Anfragen an den Gemeindevorstand zu stellen.
Generell unterstützen wir die Arbeit des Nabu und sind für Anregungen jederzeit offen. Insbesondere sind wir immer für gute Ideen (Anträge, Anfragen) dankbar, die wir formal in die Gemeindevertretung einbringen können.

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