Jun 122023
 
Foto: NABU/Oliver Moll – Goldfische im Sperbergrundteich

Immer wieder kommt es vor, daß TierhalterInnen ihre zuvor im Gartenteich gehaltenen Fische in der freien Natur aussetzen.

Das kann fatale Folgen für die einheimischen Arten haben: Krankheiten werden übertragen oder die fremden Arten treten in Nahrungskonkurrenz und vermehren sich unkontrolliert. Im schlimmsten Fall verhalten sich die Neuankömmlinge invasiv und verdrängen die beheimateten Arten ganz.

Der Teich im Sperbergrund in Alsbach ist ein wichtiges Laichgewässer für Amphibien, insbesondere für Feuersalamander. Die Larven des Salamanders sind jetzt akut bedroht: Vor wenigen Tagen wurden dort über 100 Goldfische ausgesetzt, die bevorzugt Amphibienlarven fressen.

Wie die Amphibiengruppe des NABU nachgewiesen hat, leben in diesem Teich bereits ebenfalls durch Menschen ausgesetzte Signalkrebse, die ebenfalls den Feuersalamander-Larven nachstellen.

Zudem breitet sich eine für unsere einheimischen Amphibien tödliche Pilzkrankheit rasant in Europa aus – begünstigt durch von Menschen ausgesetzte, asiatische Terrarien-Molche.

Der Schaden, der hier, wissentlich oder unwissentlich, angerichtet wurde, ist immens, und die Behebung enorm aufwändig, wenn nicht unmöglich…

  2 Responses to “Fischbesatz im Amphibienweiher”

  1.  

    Guten Tag,
    Der Sperbergrund ist mitnichten ein „Amphibienweiher“, sondern wurde als Goldfischteich im Rahmen einer „Erholungsanlage“ Ende der 1960er Jahre angelegt. Ich wohne seit über 50 Jahren in unmittelbarer Nähe und habe meine Kindheit so zusagen im Wald und am Teich verbracht. Noch NIE habe ich im / am Teich Salamander gesehen! Weiter oben, am sog. Feuerlöschteich ja, am kleinen Bach zum Sperbergrund ja, Auch Kröten und den einen oder anderen Frosch gab es dort – früher, nun seit Jahren nicht mehr. Aber zu keiner Zeit Salamander! Und von einer “ Invasiln der Goldfische“ kann keine Rede sein. Die 2 oder 3 grossen Karpfen leben hier seit vielen Jahren und auch einige Goldfische; aber bestimmt keine 100. Ich habe Herrn Moll vor Ort getroffen und, gemeinsam mit einer Nachbarin, versucht den Sachstand zu klären. Auch haben wir angeregt, für einen wirklichen Schutz das Areal einzäunen zu lassen, da sich hier HobbyAngler, spielende Kinder und schwimmende Hunde tummeln und den restlichen Teichbewohnern – darunter ein treues Entenpaar- nicht guttut. Es ist lobenswert sich um Misstände zu kümmern sofern es „echte“ sind – in diesem Fall ist es eigentlich schlicht eine Fehlinformation von jemandem, der evtl die örtlichen Gegebenheiten / Geschichte dahinter nicht kennt.
    Freundlichst E.Schwinn

    •  

      Amphibien haben es immer schwerer geeignete Laichgewässer zu finden. Die Trockenheit durch den fortschreitenden Klimawandel lässt viele natürliche Gewässer und Bäche austrocknen. Die Tiere sind mehr und mehr auf künstlich angelegte Gartenteiche und Ziergewässer angewiesen, da hier eine Wasserversorgung gewährleistet ist. Dementsprechend lässt sich vermehrt beobachten, daß nicht nur traditionelle Laichgewässer genutzt werden. Amphibien nutzen inzwischen auch Gewässer, in denen man sie bisher nicht unbedingt vermutet hätte. Im Teich am Sperbergrund wurden in diesem und letzten Frühjahr Feuersalamander Larven und adulte Bergmolche nachgewiesen. Das Foto von den Goldfischen im Sperbergrund entstand am 11.6. 23 und zeigt mindestens 80 Tiere. Es ist naheliegend, daß das Foto nicht alle im Teich befindlichen Tiere erfasst. Eine so große Zahl konnte bisher nicht beobachtet werden, so daß von einem aktuellen Aussetzen der Tiere auszugehen ist. Die reichlich nachgewiesene, durch Menschen ausgesetzte invasive Krebsart frißt nicht nur die Larven des Feuersalamanders und der Molche, sondern macht sich auch über Fischbrut und kleine Fische her, was eine unbeobachtete sprunghafte Vermehrung der Goldfische ausschließt.
      Selbst wenn der Teich als eholungsnaher Goldfischteich angelegt wurde, kommt ihm heute in Zeiten des Klimawandels, eine neue Bedeutung zu.
      Das zu berücksichtigen ist entscheidend für die Zukunft der Amphibien.
      Oliver Moll
      NABU AG Amphibien und Reptilienschutz
      Kreisverband Darmstadt und
      Ortsgruppe Seeheim-Jugenheim

Kommentarfunktion geschlossen

NABU Menu