Erste Hilfe für Fledermäuse

 
Fotos: Sybille Waibel – Die Zwergfledermaus bringt weniger als fünf Gramm auf die Waage.

WICHTIG: Bitte versuchen Sie nicht, eine Fledermaus zu versorgen. Bitte übergeben Sie Fledermäuse immer sofort einem fachkundigen Experten.

Denn neben der richtigen Handhabung müssen die Tiere auch adäquat untergebracht, medizinische behandelt und wieder ausgewildert werden. All dies ist ohne Fachkenntnisse und Erfahrung nicht zu machen.

Bitte zögern Sie nicht – es zählt im Notfall jede Minute, auch wenn die Fledermaus einen scheinbar gesunden und fitten Eindruck macht. Dieser Eindruck täuscht oft, denn Wildtiere mobilisieren unter Stress ihre letzten Kräfte!

Fledermaus gefunden, was tun?

Verletzte oder geschwächte Fledermäuse

Regelmäßig werden verletzte oder geschwächte Fledermäuse gefunden.

Fachkundige Hilfe gibt es hier:

https://www.fledermausschutz.de/ansprechpartner/hessen/

Was ist also zu tun?
Zunächst einmal sichern Sie bitte das Tier, denn eine Fledermaus, die am Tage sichtbar ist, egal ob groß oder klein, benötigt Ihre Hilfe.

Besonders wichtig ist es, den entkräfteten Tieren Wasser anzubieten. Hierzu können Sie einen Wassertropfen auf dem Stiel eines Kaffeelöffels der Fledermaus an das Maul halten. Besser geht es allerdings mit einer Pipette. Die Tiere werden es dankbar auflecken. Bitte achten Sie darauf, daß kein Wasser in die Nasenlöcher gelangt.

Doch verhalten Sie sich hierbei bitte vorsichtig!

Bereiten Sie einen kleinen Pappkarton mit Luftlöchern im Deckel, der gut abschließt, weitere Fluchtwege bzw. Öffnungen vermeiden. In den Karton bitte ein locker geknäultes Tuch legen damit die Fledermaus sich einkuscheln bzw. verstecken kann. Ganz wichtig ist es den Tieren Wasser anzubieten! Zum Beispiel ein kleiner Twist off Deckel mit einigen Tropfen Wasser gefüllt in den Karton stellen.

Da die Tiere ein spitzes Insektenfressergebiß besitzen, können schmerzhafte Verletzungen entstehen. Fledermäuse sollten deshalb nur mit Handschuhen angefasst werden! Die Tiere sind harmlos, es ist extrem selten, aber nicht vollständig ausgeschlossen, dass Fledermäuse mit einem Tollwutvirus infiziert sind.

Zwergfledermäuse in Pflege

Fledermäuse in der Wohnung, was tun?

Alljährlich bekommen wir Anrufe von Menschen, die uns teils erschrocken, teils überrascht mitteilen, dass sich Fledermäuse in ihre Wohnungen verflogen haben.

Diese „Invasionen“ finden im Spätsommer statt. Es sind meist größere Gruppen von Zwergfledermäusen, die in der Nacht durch ein geöffnetes oder auf Kipp gestelltes Fenster in die menschlichen Behausungen einfliegen. Dort suchen sie sich Verstecke, um den Tag zu verschlafen.

Im Spätsommer lösen sich die Wochenstuben der Zwergfledermäuse auf und besonders die jungen und unerfahrenen Tiere suchen sich auf dem Weg in die Winterquartiere unsere Wohnungen als Zwischenquartiere aus. Ein gekipptes Fenster sieht ihrem Sommerquartier recht ähnlich, so dass die Tiere in dem Glauben, ein gutes Versteck gefunden zu haben, dort hineinfliegen und sich in Gardinen oder Vorhängen zum Tagesschlaf begeben.

Bitte bewahren Sie in einem solchen Fall die Ruhe und lassen Sie die Fledermäuse hängen. Die Tiere sind vollkommen harmlos, fassen Sie sie trotzdem bitte immer nur mit Handschuhen und sehr vorsichtig an, um die Fledermäuse nicht zu verletzen! Die Tiere haben Angst und können sich durch kräftiges Beißen wehren.

Bei einer Fledermausinvasion fliegen durchschnittlich 10 – 40 Tiere in eine Wohnung ein. Die Tiere hängen dann z.B. in der Gardine oder im Vorhang und verschlafen den Tag.

Sollten Sie eingeflogene Fledermäuse in der Wohnung oder anderen Räumlichkeiten haben entlassen Sie diese Tiere bitte nur dann, wenn Sie genau wissen, dass sie erst in der Nacht zuvor eingeflogen sind. Dann einfach Fenster auf, Licht aus, Tür zu und die Tiere ausfliegen lassen. Und den Raum noch einmal genau absuchen.Wenn alle Tiere ausgeflogen sind, schließen Sie das Fenster wieder und halten es am besten die folgenden Nächte geschlossen, da die Tiere sonst zurückkommen können; sie sind sehr ortstreu.

Bitte überzeugen Sie sich davon, dass alle Fledermäuse den Raum verlassen haben und sich keine Tiere mehr hinter Möbeln oder in anderen Verstecken aufhalten (besonders in Vasen und anderen nach oben offenen Gefäßen nachschauen; Fledermausfallen!).

Wenn Sie jedoch Probleme haben, die Fledermäuse bis zum Abend zu erdulden oder nicht wissen, wie Sie die Tiere zum Abflug bewegen sollen, benachrichtigen Sie bitte die Fledermausersthelfer. Diese helfen Ihnen gerne und sammeln die Tiere dann auf, um sie an anderer Stelle wieder freizulassen.

Leider finden die Tiere in machen Fällen den Ausgang nicht wieder und können so in Not geraten. Im Extremfall verdursten die Fledermäuse.

Solltet Sie daher nicht genau bestimmen können wie lange die Tiere bereits im Raum oder der Örtlichkeit gefangen waren oder sogar schon tote Tiere finden, dann konsultieren Sie bitte unbedingt eine Fledermaus-Pflegestelle. Diese begutachtet die Tiere erstmal und schaut nach dem Zustand. Je nach Dauer der „Gefangenschaft“ sind die Tiere dehydriert und ausgehungert und müssen erstmal in Pflege genommen werden. Bieten Sie Wasser in flachen Schalen, z.B. Twist-Off Deckel an, bis Ersthilfe eintrifft.

Heimische Fledermäuse keine Träger des neuartigen Coronavirus

Aktuell werden immer wieder Fledermäuse mit dem neuartigen Coronavirus, das die Erkrankung Covid-19 auslösen kann, in Verbindung gebracht. Angst davor, dass Fledermäuse in Deutschland Menschen anstecken könnten, braucht jedoch niemand zu haben. Denn es gibt keine Belege dafür, dass die in Deutschland heimischen Fledermäuse Träger jenes Corona-Stammes sind, dem auch das Coronavirus SARS-CoV-2 entstammt. Dieses Virus ist neuartig und wird von Mensch zu Mensch übertragen. Um sich und andere zu schützen, sollte man sich daher an die öffentlich ausgerufenen Schutzmaßnahmen halten.

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/fledermaeuse/18829.html#corona

Tollwütige Fledermäuse sind sehr selten

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/fledermaeuse/wissen/01374.html