Mai 052019
 


NABU ruft zur 15. Stunde der Gartenvögel vom 10. bis 12. Mai auf

NABU-Archiv – Amsel

Wetzlar – Dürre schon im Frühjahr – was bedeutet das für die heimische Vogelwelt? Wie sich das trockenheiße Jahr 2018 und das bisher warme und niederschlagsarme Frühjahr auf die Bestände auswirkt, wird die „Stunde der Gartenvögel“ zeigen. Bei der 15. „Stunde der Gartenvögel“ werden deutschlandweit Vögel in Gärten, Grünanlagen und Parks erfasst. Die diesjährige Zählung findet am zweiten Maiwochenende, also vom 10. bis zum 12. Mai statt. 

„Wir erwarten unterschiedliche Auswirkungen auf die einzelnen Vogelarten“, sagt NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler, „so hatten Haussperlinge 2018 offenbar gute Bruterfolge, weil durch das warme Wetter keine Jungvögel an Unterkühlung sterben konnten und vergleichsweise viele Insekten zu finden waren. Amsel und Singdrossel, die ihre Nahrung – Schnecken und Würmer – am liebsten im feuchten Boden suchen, hatten dagegen wohl kein gutes Jahr.“

Die Amsel steht bei der diesjährigen Vogelzählung ohnehin ganz besonders im Fokus. „Sie kommt in über 95 Prozent der Gärten vor und ist damit Deutschlands am weitesten verbreiteter  Gartenvogel“, so NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler, „Der Supersommer 2018 war für diese Art auch aus einem anderen Grund eine echte Katastrophe. Durch die langanhaltende Wärme konnte sich das durch Stechmücken übertragene tödliche Usutu-Virus in fast ganz Deutschland verbreiten.“ Vor allem im Norden fielen großen Teile der Amselpopulation der Krankheit zum Opfer. Die anstehende „Stunde der Gartenvögel“ wird zeigen, wie sich Usutu auf die Amselbestände in den einzelnen Regionen Deutschlands auswirkt.

Die NABU „Stunde der Gartenvögel“ geht inzwischen in ihr 15. Jahr und erfreut sich glücklicherweise großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Ziel der Aktion ist es, ein deutschlandweites und möglichst genaues Bild von der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu erhalten. Dabei geht es nicht um eine vollständige Erfassung aller Vögel, sondern darum, Veränderungen der Vogelbestände festzustellen. Die Daten aus dem letzten Jahr sorgten unter den Vogelexperten allerdings für Besorgnis. „Viele Gartenvogelarten wiesen 2018 niedrigere Werte als im langjährigen Schnitt auf“, so Eppler. „Und dabei traf es nicht bloß seltene Arten, sondern vor allem auch die eigentlich häufigen Arten wie Kohlmeise, Blaumeise, Grünfink, Buchfink und Hausrotschwanz.“ Insgesamt wurden bei der Stunde der Gartenvögel in Hessen 32,6 Vögel pro Garten gesichtet. Damit lag das Endergebnis 6,3 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt von 34,8 Vögeln pro Garten. „Wichtig ist es nun festzustellen, ob das letzte Jahr ein statistischer Ausreißer aufgrund von ungünstigen Bedingungen war, oder ob sich dieser Negativtrend fortsetzt.“, so Eppler. 

Jedes Jahr hat seine ganz eigene Kombination von Faktoren, die sich auf die Vogelwelt auswirken. Wetterereignisse, Krankheiten, Änderungen in der Bewirtschaftung von Flächen und die Verfügbarkeit von Futter wechseln von Jahr zu Jahr und können großen Einfluss auf den Bruterfolg und die Überlebenschancen der einzelnen Vogelarten haben. Daher kann eine seriöse Bewertung der Bestandsentwicklungen erst über den langjährigen Vergleich der seit 2005 gesammelten Daten erfolgen. „Die Angaben, die wir hierfür von all den Freiwilligen über die „Stunde der Gartenvögel“ bekommen, sind für den Naturschutz unbezahlbar.“, erklärt Eppler. „Je genauer wir über die Entwicklung bei den verschiedenen Vogelarten Bescheid wissen, desto besser kann sich der NABU für sie stark machen.“

Im vergangenen Jahr hatten bundesweit fast 57.000 Vogelfreunde bei der Stunde der Gartenvögel mitgemacht und aus über 37.000 Gärten insgesamt über 1.2 Millionen Vögel gemeldet. In Hessen zählten über 3.300 Naturfreunde über 75.000 Vögel. Gemeinsam mit der Schwesteraktion, der „Stunde der Wintervögel“, handelt es sich damit um Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion.

Und so funktioniert die Teilnahme: Von einem ruhigen Plätzchen im Garten oder vom Zimmerfenster aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig entdeckt werden kann. Die Beobachtungen können per Post, Telefon – kostenlose Rufnummer am 11. Mai, von 10 bis 18 Uhr: 0800-1157115 – oder einfach im Internet unter www.stundedergartenvoegel.de gemeldet werden. Meldeschluss ist der 20. Mai. Aktuelle Zwischenstände und erste Ergebnisse sind ab dem ersten Zähltag auf www.stundedergartenvoegel.de abrufbar und können mit vergangenen Jahren verglichen werden. Interaktive Karten stellen dar, wie sich eine Vogelart bundesweit, in Hessen oder in einem Landkreis entwickelt hat.

Für kleine Vogelexperten hat die NAJU die „Schulstunde der Gartenvögel“ (6. bis 10. Mai) ins Leben gerufen. Ein großes NAJU-Aktionspaket versorgt teilnehmende Gruppen und Klassen mit Zählkarten, einem „Vogelbüchlein für die Hosentasche“ für jedes Kind, einem NAJU-Poster, auf dem Kinder die häufigsten Vogelarten in Deutschlands Gärten und ihre Besonderheiten kennenlernen, sowie einem Begleitheft. Hierin finden Gruppenleiter, Lehrer und Erzieher die Anleitung für eine Gartenvogel-Rallye mit spannenden Wissens- und Spielstationen, die mit wenig Aufwand überall im Freien durchgeführt werden können. Das Aktionspaket kann im NABU-Shop bestellt werden: www.NABU-Shop.de. Weitere Informationen gibt es unter www.NAJU.de/sdg