Mrz 022019
 
Foto: NABU/Daniel Wagner – Gefällte Pappelreihe bei Eschollbrücken

An Feldrainen bei Eschollbrücken stehen viele alte große Pappeln. Sie bringen etwas Abwechslung in die weitgehend offenen Feldfluren und sind mangels Alternative wichtiger Nistplätze für Vögel. Pappeln sind schnell wachsende Bäume und können instabil werden. Aber sie sind hier dominanter Bestandteil der Heckenstruktur, die Unterschlupf bieten für Insekten und Vögel in einer weitgehend ausgeräumten Landschaft. Werden nun die Pappeln einfach ohne Ersatz gefällt, brechen ganze Biotopstrukturen zusammen.

Leider wurden im Kauf der letzten Wochen Eschollbrücken ganze Reihen von Pappeln gefällt in einem Gebiet, wo über Gewöllfunde, Rufe und Sichtungen letzte Vorkommen des Steinkauz nachgewiesen wurden. Sogar die an den großen Bäumen angebrachten Steinkauz-Röhren wurden entfernt.

Eine solche Aktion kurz vor dem Beginn der Brutzeit ist besonders fatal, denn die standorttreuen Vögel sind bereits in der Winterzeit in ihre angestammten Revieren aktiv und nutzen die winterlichen Ruhephase für die Anpaarung.

Bei der Fällung entfernte Steinkauzröhre

Bei der jährlichen  Kontrollen der Steinkauzröhren  in dem Gebiet Eschollbrücken, mussten die ehrenamtlichen Eulenschützer des AK Eulenschutz beim NABU zum wiederholten Male feststellen, dass Steinkauzröhren von Bäumen entfernt werden, ohne die zuständigen Betreuer zu informieren. Auf den Röhren sind die Adresse und Rufnummer der Kontaktleute beim NABU vermerkt.

Der NABU erwartet von den zuständigen Stellen der Gemeinden, den gesetzlichen Schutz der seltenen Eulen zu respektieren. Insbesondere muss ein langfristiger Ersatz für die vernichteten Hecken schnellstmöglich geschaffen werden.

Steinkauz (Athene noctua)

Steckbrief Steinkauz (Athene noctua)

Als einer der kritischen Faktoren für die Populationsdichte von Steinkäuzen gilt der Mangel an geeigneten Nistplätzen. Als Ersatzlebensraum anstelle der traditionell genutzte Streuobstwiesen mit altem Baumbestand, wurden im Ried auch Pappelreihen mit Steinkauzröhren ausgestattet.

Bekannte Risikofaktoren beim Steinkauz sind im wesentlichen der Habitatverlust durch Heckenzerstörung und vor allem das Fehlen von Streuobstwiesen und Abhängigkeit von Naturschutzmaßnahmen, die langfristig nicht gesichert sind.

Beim Steinkauz brütet der weitaus überwiegende Teil der Brutpopulation in Steinkauz-Röhren- der noch vorhandene Bestand in Hessen ist im Besonderen den vielen engagierten, hessischen Eulenschützern zu verdanken.

Die Bestände der Vögel gehen bundesweit seit Jahren zurück – im Wesentlichen wegen Verlusts an Lebensräumen- inzwischen zählt jedes einzelne Brutpaar für den Erhalt der Art in Hessen.

Literatur: Rote Liste Hessen der bestandsgefährdeten Brutvogelarten Hessens: https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/rote_liste_der_brutvogelarten_barrierefrei.pdf