Feb 062018
 

Der Malcher Blütenhang – gefährdetes Vogelparadies

Fotos: Roland Tichai – Grauspecht (Picus canus) am Malcher Blütenhang

Zur Winterzeit lädt Eckhard Woite aus Seeheim-Jugenheim (Ortsteil Malchen) gern ein zur Vogelbeobachtung  auf seinem Grundstück. Hier und in den angrenzenden Gärten tummeln sich in der kalten Jahreszeit ortstreue Singvögel und viele Wintergäste unter den Zugvögeln an der seit Jahrzehnten bestehenden Futterstelle.

Grauspecht an Futterstelle Am 06. Februar 2018 konnten in nur zwei Stunden in der Zeit von 9:30 bis 11:30 Uhr eine große Anzahl von Vögeln beobachtet werden, insgesamt 24 verschiedene Arten bei jeweils 1 bis zu 50 Individuen. Darunter waren u.a. Kernbeißer, Tannenmeise, Haubenmeise, Schwanzmeise, Misteldrossel, Stieglitz und auch 3 verschiedene Spechtarten. Neben 4 Buntspechten treffen auf den Grundstücken auch ein Mittelspecht und ein Grauspecht aufeinander.

Bei dem Grauspecht ((Picus canus) handelte es sich um ein schönes ausgewachsenes Männchen, das in der zweistündigen Beobachtungszeit ständig zu sehen ist.

Der Grauspecht ist eine durchaus anspruchsvolle Art und als „Erdspecht“ auf die noch vorhandenen offenen Streuobstwiesen mit ihren Ameisenvorkommen angewiesen. Gerade der Grauspecht ist unmittelbar bedroht durch die anhaltende Bebauung am Malchener Blütenhang, wie im Gebiet „Junkern“ und hoch aktuell und massiv im Bereich Dollacker. Nach dem Verschwinden des Wendehalses aus dem Ortsbereich ist der Grauspecht einer der „heissen“ Kandidaten für eine weitere verlorenen Art, wenn dem Bauboom nicht endliche Einhalt geboten wird. Hier steht die Lokalpolitik und die zuständige Umweltbehörde in unmittelbarer Verantwortung, denn die häppchenweise Freigabe weiterer Baugrundstücken hat einen kumulativen Effekt auf wichtige Naturschutz-relevante Biotope, hier der Streuobstwiesen. Auch die Ausweisung von sogenannten Ausgleichsmassnahmen hilft hier nicht weiter: in Seeheim sind sie schlicht nicht mehr vorhanden und wenn man sie etwa in Bickenbach zukauft, ändert das nichts am vorhersehbaren Verschwinden des Grauspechts und anderer Arten wie der Schlingnatter, die an das Biotop und landschaftsprägendem Element der Streuostwiesen am Blütenhang gebunden sind. Die Erkenntnis wäre: ein Ausgleich ist nicht umsetzbar und damit die weitere Bebauung wie aktuell im Hinterland Dollacker nicht möglich. 

Sämtliche Beobachtungen wurden sorgfältig dokumentiert in der Datenbank von naturgucker (www.naturgucker.de) in den Rubriken „Beobachtungen“.