Sep 302017
 

Foto: NABU/Tino Westphal – Begehung Darmstädter Stadtwald durch BUND-Gruppe

Die Kollegen unserer Partnerorganisation BUND hatten eingeladen zu einer Begehung des Darmstädter Stadtwalds. Die Informationsveranstaltung zeigte den Teilnehmern einen dramatischen Befund – der Wald zwischen Darmstadt und Pfungstadt befindet sich in einem beklagenswerten Zustand. Die Altbestände an Kiefern und Buchen und Eichen sind weitgehend zusammengebrochen. Die Toten Skelette sind umgeben von einem Dickicht aus Brombeere, Reitgras und Buschwerk der Amerikanischen Traubenkirsche.

Trockenschäden an fast allen Bäumen, grosse Flächen der Altbestände an Buchen, Eichen und Kiefern ist abgestorben, die verbleibenden Bäume zeigen massive Schäden.

Leider sind auch die teuren Nachpflanzungen mit verschiedenen einheimischen und fremden Baumarten weitgehend gescheitert. Am Wegrand findet die Gruppe aufwändig gegen den Verbiss durch den viel zu hohen Wildbestand geschützten Bäumchen. Aber, die Kirschen sind fast alle vertrocknet. Auch eine Selbstverjüngung des Waldes ist wegen der Maikäferproblematik und wegen des massiven Unterwuchses nicht mehr gegeben.

Ein ganzes Bündel bekannter und wohl auch noch unbekannter Ursachen kommt zusammen zu einem scheinbar „perfekten Sturm“, so dass sich die Frage stellt: Ist Wald hier überhaupt noch möglich?

Weitgehend gescheitert: eine aufwändig geschützte Nachpflanzung mit Kirsche.

Ganz offensichtlich hat HessenForst hier noch keine Antwort gefunden bzw. alle bisherigen Lösungsversuche führten sichtlich nicht zum Erfolg. So darf bezweifelt werden, dass das jetzt präferierte Modell der Anpflanzung neuer, nicht einheimischer Arten zum Erfolg führt. Denn ganz offensichtlich ist der Wissensstand zu deren  Widerstandsfähigkeit gegenüber heutigen und künftigen Stressfaktoren ebenso dürftig.

Der einzige Lichtblick bei der Begehung: einzelne kräftige Kiefern scheinen dem Desaster zu entgehen. Geben wir ihnen die Chance, Mutterbäume für den künftigen Wald zu werden? 
Denn es gibt sehr wohl erfolgreiche Projekte in unserem Umfeld, so läuft seit inzwischen mehr als 15 Jahren ein Beweidungsprojekt im nahen Seeheimer Forst, ein Wald, der unter vielen ähnlichen Problemen leidet.
Auch wenn sich sicher nicht alle Bedingungen einfach übertragen lassen- eines zeigen die Versuche im Seeheimer Forst: auf seinen teilweise eingezäunten Referenzflächen gibt es nicht nur Selbstverjüngung, sondern auch eine ganze Reihe extrem selten gewordener Waldpflanzen im Unterwuchs. Insbesondere können hier die Effekte von beweideten und unbeweideten Fläche auch nach 15 Jahren unmittelbar verglichen werden.

Ein deutliches Wort an dieser Stalle an die Lokalpolitik zum Thema Jagd -und in diesem Punkt sind sich Naturschutzverbände und HessenForst in ihrer Beurteilung ungewöhnlich einig: seit vielen Jahren schreiben die Verantwortlichen von Hessenforst in die „Waldeinrichtung“ genannten Verträge zwischen der jeweiligen Gemeinde und dem Dienstleister Hessenforst „Wildbestandsregulierung: Die Wildbestände müssen den waldbaulichen Erfordernissen angepasst sein.“ Diese Forderung nach deutlich höheren Abschuss-Zahlen, endlich effektivere Formen der Jagd einzuführen, wird von der Lokalpolitik seit Jahrzehnten geflissentlich ignoriert. Die Wilddichte bei Wildschwein und Reh waren noch nie höher, als heute. Die Folgen der massiv gestiegenen Waldschäden werden sozialisiert und damit von allen Bürgern getragen. 

Das macht Hoffnung: einzelne kräftige Kiefern scheinen dem Desaster zu entgehen. Geben wir ihnen die Chance, Mutterbäume für den künftigen Wald zu werden?

Fazit: Eine massive Ausweitung der Jagd, mindestens aber Beteiligung der Jagdpächter an den tatsächlichen Kosten des Verbissschutzes plus Förderung von einheimischen Baumarten aus der Region – präferiert durch Selbstverjüngung und folgend den erfolgreichen Ansätzen, wie der Waldbeweidungen bei Seeheim: vielleicht zeigt sich hier ein gangbarer Weg, um langfristig wieder Wald  zu haben im Darmstädter Süden – für Forstwirtschaft und Erholung und nicht zuletzt auch im Sinne des Naturschutzes.